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Energie
Wie setzt sich der Strompreis zusammen ?

Wenn man sich auf ein Verfahren nach §315 BGB ( Billigkeitsprüfung ) vorbereitet oder sich bereits in einem solchen Verfahren befindet, so ist es überaus wichtig zu verstehen, dass der Strompreis ( in ähnlichen Fällen Energiepreis ) sich aus einer Vielzahl von einzelnen Bestandteilen zusammen setzt.

Dies ist wichtig sowohl bei der Beweisführung, der Argumentation und der Prüfung, weil jeder einzelne Bestanddteil einzeln einer Prüfung unterzogen werden sollte. Wer einzelne Bestandteile "unter den Tisch fallen lässt" verspielt unter Umständen einen wesentlichen Teil des Preissenkungsmöglichkeiten. Wie so oft ausgeführt, gilt auch hier: Es sollten zunächst einmal alle Seiten gelesen werden, da diese Thematik auch an anderen Stellen im Detail behandelt wird ( z.B. bei "wie lese ich eine Bilanz ?" Seite 205 ) !

Ich muss an dieser Stelle vor der Aufgliederung eines vorausschicken: Ich zeige hier ein Beispiel mit etwaigen Näherungswerten, da diese Zahlen im jeweiligen konkreten Einzelfall abweichen. Es handelt sich also um genäherte Richtwerte bezogen auf das von mir geführte Verfahren gegen Eon Bayern AG. Dies bedeutet das diese Zahlen bei anderen Konzernen sicherlich ähnlich - aber nicht gleich - sind ! Die jeweiligen genauen Zahlen müssen also in jedem Einzelfall genau ermittelt werden.

Als Ausgangsbasis nehme ich den aktuellen Tarifpreis für meinen Jahresverbrauch und mein Tarifgebiet
( also ca. 5000 Kilowattstunden pro Jahr und Tarifgebiet Landkreis Freising ).

Im konkreten Rechenbeispiel beträgt der Preis:
                       16,4 Ct netto ( also ohne Mehrwertsteuer ) pro Kilowattstunde.
Dieser Preis ist die Summe folgender Einzelbestandteile:
     1. Der Preis zu dem der Strom erzeugt wird ( Erzeugerpreis )
  + 2. Der Preis zu dem der Strom gehandelt wird ( Vertriebsanteil )
  + 3. Die Kosten, die entstehen bis der Strom vom Kraftwerk bis zum Zähler gelangt Netzentgelte
  + 4. Stromsteuer
  + 5. Mehrwertsteuer
-----------------------
=  Gesamtstrompreis

hinzu kommen die Grundgebühren, die auch dann anfallen wenn gar kein Strom verbraucht wird, also Grundgebühr für Zähler und sogenannte Bereitstellungskosten ( diese Kosten sind aber nach Meinung des Verfassers dieser Zeilen eigentlich Bestandteil der Netzentgelte und werden somit eigentlich doppelt kassiert - was später an anderer Stelle noch im Detail ausgeführt wird , siehe Seite 26 )!

Rein rechnerisch bleibt es sich - nachdem die Steueranteile erst am Schluss beim Zusammenrechnen auf die Kosten draufkommen - egal ob in der Beispielrechnung zuerst mit Nettobeträgen gerechnet wird und anschließend die Steuern addiert werden oder ob gleich von Haus aus mit Bruttobeträgen gerechnet wird. Die zweite Methode ( also gleich alles in Bruttobeträgen ( also mit Steuern ) ist insgesamt übersichtlicher und einfacher. Ich werde deshalb hier im Beispiel gleich von Anfang an alle Beträge in Brutto ( also mit Steuern ) verwenden.

Das Öko-Institut hat im Auftrag von der Redaktion Frontal 21 ( ZDF ) einmal ausgerechnet, was eine Kilowattstunde in etwa kostet, wenn es vom Atomkraftwerk erzeugt wird und was in etwa eine Kilowattstunde Strom kostet, wenn es von einem Kraftwerk mit fossilen Brennstoffen ( also Kohle, Gas  oder Öl ) erzeugt wird ( Stand Juli 2007 ).

Demnach kostet eine Kilowattstunde Atomstrom etwa 1 Cent !
Eine Kilowattstunde aus fossilen Brennstoffen kommt auf etwa 1,5 Cent ! 
Da das Verhältnis von Atomstrom zu anderen Stromarten etwa 50 zu 50 ist resultiert ein Gesamtstrompreis von etwa 1,25 Cent pro Kilowattstunde.

Da ja der Stromerzeuger nicht von Luft und Liebe alleine leben kann, sollte man dem erzeugenden Unternehmen einen ausreichenden Gewinn zubilligen, da dieser ja in den Erhalt der Stromerzeugungsanlagen, Reparaturen und eventuell Neu- bzw. Ausbau Geld investieren soll und eine ordentliche Verzinsung für sein eingesetztes Kapital erwarten darf. Eine einigermaßen vernünftige Lösung wäre in etwa bei 100% Gewinn anzusetzen, damit alle Punkte zufriedenstellend abgedeckt sind.

Der damit anzusetzende Stromerzeugungspreis inklusive Gewinn sollte also in etwa bei 2,5 Cent pro Kilowattstunde liegen. Zu diesem Preis sollte in etwa auch der Strom bei der Strombörse in Leipzig gehandelt werden. Tatsächlich wird aber der Strom in Leipzig wegen Manipulationen an der Strombörse für durchschnittlich 5,0 bis 5,5 Cent pro Kilowattstunde gehandelt. ( zu dem Thema Manipulation der Strombörse wird im nachfolgenden Text auf Seite 204 ausführlich Stellung bezogen ).

zunächst einmal wird aber in diesem Beispiel vom tatsächlichen Handelswert ausgegangen, also 5,4 Cent pro Kilowattstunde.
 
Die Fachhochschule Darmstadt hat im Übrigen einige ausführlich Schriften zur Thematik Strompreise und deren Zusammensetzung veröffentlicht. Auf der Linkseite ( Seite mit Quellennachweisen ) finden sich die Links zu den relevanten Dokumenten. Diese liegen im sogenannten .PDF- Format vor. Man sollte also auf dem Computer, auf dem die Dokumente gelesen werden sollen, den Adobe Acrobat Reader installiert haben. Auch für den Acrobat Reader findet sich auf der Quellenseite ein link.

Der Anteil für Netzentgelte beträgt nach Berechnungen der Fachhochschule in Darmstadt zwischen ca. 35 und 40 % des Gesamtpreises. Bei dieser Beispiel Rechnung gehe ich der Einfachheit halber von 35% - also von ca. 5,0 Cent pro Kilowattstunde aus.

Der Anteil der Steuern und Abgaben am Gesamtstrompreis beträgt nach allgemeinen Angaben ( Presse etc. ) ziemlich genau 40%. Im hier vorliegenden Rechenbeispiel sind es etwa 6,0 Cent pro Kilowattstunde.

Die Gesamtrechnung sollte also - abhängig von den jeweiligen Detailrechnungen der jeweiligen Anbieter - in etwa so aussehen:

ca. 2,5  per Kilowattstunde ( Erzeugeranteil )
ca. 3,0 Cent per Kilowattstunde ( Handelsanteil ) - der aber tatsächlich ohne Manipulation der Börse
                bei etwa 1 Cent per Kilowattstunde liegen sollte.
ca. 5,0 Cent per Kilowattstunde Transportkosten bis zum Haus ( Netzentgelte ) -
                - der etwa tatsächlich nur bei maximal  3,0 Cent pro Kilowattstunde liegen dürfte
ca. 6,0 Cent per Kilowattstunde Steuern und Abgaben ( Stromsteuer, Öko-Abgabe, Mehrwertsteuer )
                - der ohne "Über"kosten nur etwa maximal 5 Cent pro Kilowattstunde betragen würde.

Wenn also im Rahmen einer Billigkeitsprüfung ein Strompreis für 2005 und 2006 vom Gericht zu ermitteln ist, sollte bei richtiger Beweisführung und Argumentation ein sogenannter "billiger" Strompreis in Höhe von etwa maximal 11,5 Cent pro Kilowattstunde gegenüber den tatsächlichen 16,4 Cent pro Kilowattstunde unter dem Strich herauskommen. Und dieser Preis wurde auf der Basis der Zahlen des Jahres 2007 Stand August ermittelt ! Und 2008 dürfte der Preis maximal nur um 0,3 Cent pro Kilowattstunde erhöht werden !


Angesichts der bisher gezeigten Rechnung ergeben sich folgende Punkte hinsichtlich des sogenannten "billigen" also gerechten Strompreises:

Hierbei ist zu beachten dass im "Erzeugerpreis" auch noch Personal, Wartungs, Instandsetzungs- und Reparaturkosten enthalten sind ! Die sogenannten "Rohmaterialkosten" betragen nur ca. 40-50% dieser Kosten. Dies bedeutet konkret, dass bei einem mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerk bei einem Preis von ca. 1,5 Cent pro Kilowattstunde der "Rohmaterialanteil nur ca. 0,75 Cent pro Kilowattstunde ausmacht !!! 

In der BRD wird fast 50% des erzeugten Stromes aus Atomkraftwerken geliefert ( regional nur geringfügig schwankend).

Ausgehend vom hohen Ölpreis letztes Jahr bei 65 $ per Barrel und dem jetzigen (angeblichen "Rekordstand" ) von 82$ per Barrel ( wobei Kraftwerke auf der Basis von Öl weniger als 10 % der tatsächlichen Kraftwerke ausmachen )- und bei einer Verteuerung bei Kohle ( dem überwiegenden Teil bei den sogenannten fossilen Brennstoffen ) von knapp 30% sind die tatsächlichen Effekte auf den tatsächlichen Strompreis verschwindend gering !

Selbst wenn also der Öl- und Kohlepreis sich verdoppeln würden - also der Barrel Öl 120 $ kosten würde und der Kohlepreis sich auch verdoppeln würde, so würde der Gesamtstrompreis insgesamt sich nur um 0,4 Cent pro Kilowattstunde verteuern ( man darf wie gesagt nicht vergessen, dass 50% des Stromes gar nicht mit fossilen Brennstoffen erzeugt wird - und die gilt noch bis zum Jahre 2020 ! ).  

Jetzt wird schnell klar das die Stromkonzerne die Verbraucher frech anlügen und "verarschen" !!!

Auch die Argumentation, die "armen" Stromkonzerne müssten ja den extrem teueren "Ökostrom" aus "regenerativen" Energien kaufen ist purer Schwachsinn. Der Anteil der sogenannten "regenerativen" Energien am Gesamtstromvolumen liegt insgesamt unter 6% !!!

Eine Verdoppelung des Strompreises bei den regenerativen Energien würde sich beim Gesamtstrompreis um höchstens 0,15 bis 0,2 Cent auswirken.

Bevor aber derartige Rohstoffpreise existieren, würden wir die lange vorher merken, den bei derartigen Preisen wäre unsere Industrie am Ende - wir hätten eine Inflation von über 20%, eine Arbeitslosenquote über 10% und unser Export würde nicht mehr existieren.

Diese Fakten dürften jeden Stromrebellen schnell auf den Boden der Tatsachen holen.

Wie sich ebenfalls aus dem hier aufgezeigten Rechenbeispiel zeigt, liegen der "Löwenanteil" der überhöhten Stromkosten überhaupt nicht bei der Stromerzeugungskosten ( diese sind eher marginal ), sondern bei den Handelskosten an der Leipziger Börse ( wegen der Manipulationen ) und bei den Netzentgelten. Diese beiden Bereiche würden bei korrekter Handhabung zu Strompreissenkungen in einem Bereich von ca. 4,2 Cent pro Kilowattstunde führen und in der Folge würde der Steueranteil automatisch um ca. 0,8 Cent sinken. Deshalb werden in dieser Website diese beiden Kostenbereiche jeweils im Detail je in einer eigenständigen Seite behandelt - Netzentgelte auf Seite 26 - und  -  Strombörse auf  Seite 204

marginal =
am Rande erheblich im Sinne von "eher unbedeutend"

Wenn also die Konzerne noch mehr Geld für den Strom bekommen wollen, so erhebt sich die Frage wo dieses Geld tatsächlich bleibt. Dies wird auf der Seite 217 ( zumindest für EON ) ausführlich dargestellt und man wird als Verbraucher Schwierigkeiten haben nicht in einen "heiligen Zorn" zu verfallen....
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© Harro Walsh