Mentals -                                                   Die Schwertschmiedekunst

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Ein Samurai ohne Schwert ist wie ein Müller ohne Mühle. Das Schwert ist Insignie ( also Rangabzeichen ) und Waffe zugleich. Ein Samurai trennt sich nie von seinem Schwert. Wenn man in Japan sagt das Schwert sei "die Seele des Samurai", so ist dort damit weitaus mehr gemeint, als der augenscheinliche Sinn des Satzes. Die Härte und Beständigkeit des Schwertes symbolisiert auch den Anspruch und die Pflicht nach dem Kodex des Bushido zu leben - mit allen Konsequenzen nicht nur gegen andere sondern auch gegen sich selbst.

Samuraischwerter werden in Handarbeit gefertigt und die technische Härte ( gemessen in Rockwell ) des Stahls am Ende des Fertigungsprozesses übertrifft alles, was in der industriellen Fertigung von Stahl produziert wird. Technische Stahlarten aus der industriellen Fertigung erreichen bei optimaler Legierungen ( also Beimischung von Zusatzstoffen wie Chrom, Molybdän etc. ) Härten bis zu etwa 12000 Rockwell. Ein gutes Samuraischwert bringt es auf etwa 16000 bis 18000 Rockwell. Es gibt Samuraischwerter in zwei typischen Längen : Das kürzere etwa Unterarmlange Schwert heißt "Wakazashi" und ist ein Kurzschwert für die Verteidigung und Abwehr, mit einer Länge im Durchschnitt von 70 cm bis 85 cm. Das längere Schwert ist im Durchschnitt etwa 95 cm bis 115 cm lang und heißt "Katana" und ist das Angriffsschwert. Eine Sonderrolle spielt das "Ninto", also das Schwert eines Ninjakriegers. Es weicht in zweierlei Hinsicht von den klassischen Schwertern ab : erstens hat es eine gerade Klinge - im Gegensatz zu den leicht gebogenen Schwertern der Samurai und zweitens liegt es Hinsichtlich der Länge zwischen der "Katana" und dem "Wakazashi", ist also eine Art "Kombinationsschwert". Darüber hinaus gibt es noch das "Tanto" eine Art "Minischwert" oder Langdolch mit einer Länge von ca. 35cm bis 45 cm. Es wurde überwiegend für zeremonielle Zwecke gebraucht.



Bei allen Schwertern ist der Aufbau gleich:
Die Klinge , welche über die Schneide hinaus eine Fortsetzung des Klingenkerns von etwa zwei Handbreit aufweist, welches etwa nach 4-5 Daumenbreite oberhalb des Endes der Schneide ein Loch von ca. 8 mm Durchmesser im Klingenkern aufweist. Das Loch ist später für die Aufnahme eines Holzpflockes bestimmt, damit der Schwertgriff auf dem Klingenkern fixiert wird. Der Klingenkern ( auch Klingenseele ) enthält im oberen ( normalerweise im Griff verborgenen) Teil  bei besseren Schwertern nicht nur die Signatur des Schmiedes sondern auch ein kurzes Gedicht welches dem Schwert selbst gewidmet ist ( eine Art Schwertname ). Der Griff selbst ist aus Hartholz und etwa zweieinhalb bis drei Handbreit lang. Das japanische Schwert ist von der Art der Schwertführung her ein "Zweihandschwert" wird also mit zwei Händen geführt.  Der Hartholzgriff wird mit Rochenhaut bezogen. Diese Haut ist auf der Oberfäche Rauh und "körnig" und verbessert die Grifffestigkeit. Bevor aber der Griff auf die Klingenseele aufgesteckt werden kann muss als allererstes  das Habaki ( die Klingenzwinge im Bild Nr.6 ) aufgeschoben werden. Das Habaki sorgt dafür, dass das Die Öffnung der Schwertscheide mit der Klinge luftdicht schließt, wenn das Schwert in die Scheide eingeschoben wird. Danach wird  das Seppa ( eine Art Beilagscheibe aufgesteckt, gefolgt von der Tsuba ( dem Stichblatt im Bild Nr. 5). Dann wird das Fuchi ( die Griffzwingeim Bild Nr.4 ) aufgesteckt. In ihm gleitet das untere Ende des Griffes und der Metallkorpus  des Fuchi verhindert, dass der Holzgriff splittern kann. Am oberen Ende des Holzgriffes befindet sich das Kashira ( die Griffendkappe im Bild Nr.1 ) welche ebenfalls aus Metall ist und dort die gleiche Aufgabe verrichtet ( das Splittern des Griffes zu verhindern ). Der Griff selbst ist mit dicken gewebten Stoffbändern umwickelt ( Tsuka Ito ). Zwischen dem Band und der Rochenhaut befinden sich zwei auf der gegenüber liegenden Seite genau platzierte Metallteile, die Menuki ( Im Bild Nr.2 ). Durch die Menuki liegt das Band höher und die Erhöhung ist der Ruhepunkt des Daumens der - das Schert umfassenden -  Hände. Die Menuki werden als kunstvolle Dekorteile ausgeführt. Die Saya ( Schwertscheide ) ist ebenfalls aus Hartholz und an der Öffnung befindet sich ein eingelassenes Metallteil, das Koiguchi ( Karpfenmaul ) das in Verbindung mit dem Habaki die sicherstellt, dass die Scheide luftdicht schließt, wenn das Schwert in der Scheide ist.
Die Scheide ist mehrfach lackiert.



Je nach Schule des Schwertschmiedes hat die Klinge ein eigenständiges "Härtungsbild" - Hamon genannt.
Das Hamon entsteht relativ spät während des Härtungsvorgangs nach dem Schmieden. Dazu wird mit einem Holzstäbchen eine dünne Schicht aus Schlamm mit Kolophonium und Anteilen aus Porzellanerde aufgebracht. Die Klinge wird anschließend bis zu einem genau bestimmten Grad zur Rotglut gebracht und anschließend in einem Wasserbad abgeschreckt. Während des Erhitzens bindet die dünne Schlammschicht weitere Kohlenstoffatome und nach dem Abschrecken weist der abgeschreckte Stahl eine erheblich höhere Härte auf.

Die nachfolgende Skizze zeigt die beiden verschiedenen Formen des Hamon auf. Bei den altenschwertern gab es fast ausschließlich ein wellenförminges Hamon.  Die Wellenform wird erzeugt in dem die dünne Schlammschicht verschiedene Dichten aufweist. Die Form des Hamon hat entscheidende Auswirkungen auf die Qualität einer Katana.






 

 

 

 

 

 

Nachfolgende Bilder zeigen einige der Details. In der ersten Reihe sind Fotos von verschiedenen Metallteilen, welche bei der Herstellung von Schwertern verwendet werden. In der zweiten Reihe sind Fotos von verschiedenen Stichblättern ( Tsubas). In den frühen Zeiten waren die Formen von Tsuben eher einfach. Später in Blütezeit des Schwertschmiedens ( ca. 1800 ) wurden die Formen der Tsuben filigraner und man wandte sehr hohe Kunstfertigkeit in deren Herstellung.

Habaki und Fuchi Kashira Menuki Koiguchi und Habaki
Uryu Hanjiro Kasuga Jinga Kurumasukashi
  Die Herstellung eines Samuraischwertes wird in Japan als geweihte Handlung zelebriert. Die Schmiede wird im Vorfeld der Zeremonie gereinigt und anschließend wird um die Schmiede eine lange Schnur gespannt, welche mehrfach das ganze Gebäude umspannt.  In regelmäßigen Abständen sind auf der Schnur Papierfahnen mit Gebeten als Schutz vor bösen Geistern und Dämonen festgebunden. Danach ist die Schmiede quasi versiegelt. Keiner verlässt oder kommt in die Schmiede, bis das Schwert fertiggestellt ist. Sowohl Schmied als auch Gesellen verbleiben während des Ganzen Herstellungsprozesses in der Schmiede und essen und schlafen ( in Schichten ) in der Schmiede - bis die Klinge fertiggestellt wurde.  
     



 

 

© Harro Walsh