Mentals -                    BU SHI DO  -         der   Weg    des    Kriegers

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Über Bushido wurden ganze Bücher geschrieben, ohne überhaupt den Kern der Sache zustreifen. Ich habe mit diesem Thema zwar keine Schwierigkeiten hinsichtlich des Kerns der Sache - aber umso mehr mit der Tatsache, dieses Wesen innerhalb einer Seite auf den Punkt zu bringen. Um Wiederholungen zu vermeiden, bitte ich die übrigen Seiten des Abschnittes "Mentals" zu lesen, weil in den anderen Seiten dieses Abschnitts wesentliche Teilaspekte enthalten.

Die einzige Wiederholung eines Textes einer anderen Seite auf dieser Seite ist folgendes: Entscheidend ist nicht wie lange man lebt sondern wie man lebt. Das Leben ist ohnehin endlich. Simpel übersetzt bedeutet Bushido "Der Weg des Kriegers". Für einen Asiaten würde der Begriff sich aus sich selbst beschreiben. Für Europäer ist das Ganze leider nicht ganz so simpel. Fangen wir erst einmal gleich mit dem ersten Begriff an: Weg. Im asiatischen Raum, ist damit in diesem Kontext ein Weg im Sinne Entwicklung, Werdegang, Reifungsprozess aber auch Kodex gemeint. Mit dem "Kodex" sind Begriffe wie Ehre, dienen, Verpflichtung, Wahrheit, Klarheit und  Geradlinigkeit auf das Engste verknüpft. Verschwendung, Tand und Müßigkeit sind unvereinbar mit dem Kodex. Loyalität ist erheblicher Bestandteil der Ehre und des Kodex. Diese Loyalität ist sowohl aufwärts gegenüber dem , dem man dient - als auch abwärts gegen jene, die einem selbst dienen ( im Sinne von Verpflichtung, Fürsorge )  gerichtet. Ein Mensch die Menschen, die einem selbst dienen, gering schätzt oder vernachlässigt ist unehrenhaft und verletzt damit nicht nur den Kodex, sondern er beschmutzt seine eigene Ehre. 

Im Rahmen des Reifungsprozesses und in der tagtäglichen persönlichen Weiterentwicklung des ZEN lebt der Samurai im Hier und Jetzt ohne Bindung an die Vergangenheit oder Zukunft. Zukunftsplanung - wenn überhaupt - findet auf einer Ebene statt, in der im Wesentlichen die Belangen des Clans und der Erbfolge nur eine Rolle spielen. Im Streben nach Perfektion und Effizienz entwickeln sich Einfachheit, Geradlinigkeit und Schnörkellosigkeit als prägende Faktoren. Der Samurai pflegt nicht nur das Kriegshandwerk ( also die Kampfkünste ). Die anderen Künste des Zen - also auch die Teezeremonie, Ikebana, die Pflege von Bonsai, Kalligraphie, werden ebenso praktiziert. In der Ausübung dieser Künste verfeinert man seine Sicht ( auch Einsicht ) in die Prinzipien der Klarheit und Einfachheit (mit Blick für das Detail ) und trainiert die Fähigkeiten der Konzentration. Gerade die meditativen Elemente im ZEN in Verbindung mit der Fähigkeit sich von allem um sich herum zu lösen ( also sich zu "leeren" ) kommt dem Samurai besonders in den Kampfkünsten zu Gute, weil er sich dort durch die richtige Form der Leere eine "Unmittelbarkeit" der Reaktion  aneignet, die zu einer Art "verzögerungsfreien" Aktion führt. Die Schnelligkeit des Handelns ist absolut Entscheidend im Kampf um Leben und Tod. Jede Form der Ablenkung - ja sogar ein Gedanke an die eigene Sicherheit - ist gleichbedeutend mit Zaudern und dem Verlust des Lebens im Kampf.  Diese Erkenntnis führt zu der - für Europäer schwer verständlichen Erkenntnis - , dass der Gedanke an die eigene Sicherheit 
der sichere Weg zum eigenen Tod ist.

Dabei ist das Leben des Kriegers bei weitem nicht etwa ein trostloses Dasein im dahinvegetieren bis zum Tod - im Gegenteil - das Leben ist sogar intensiver im Genuss in der Bescheidenheit im absoluten Augenblick. Wenn bewegt sich nicht auf den Tod zu, sondern man konzentriert sich auf das Jetzt und Hier  - aber eben ohne Angst vor dem Tod, weil er einem ständig gegenwärtig ist.  Der Tod - sowohl des Gegners , als auch eines geliebten Menschen oder der eigene - es ist Einerlei und natürlicher Bestandteil des Lebens - als Wechsel zu einer anderen Form der Existenz. Der Zeitpunkt spielt überhaupt keine Rolle. Jeder einzelne Tag wird  so gelebt, als ob es der letzte sei - egal ob in Kriegs- oder in Friedenszeiten. Entscheidend ist das "Wie" im Leben, nicht das "wie lange".

Im japanischen Feudalsystem waren die Samurai fast immer auch gleichzeitig Lehensherren . Jeder Samurai hatte als Einkunft einige Dörfer als Lehen von seinem Fürsten. Die finanziellen Belange im Samuraihaushalt wurden generell fast immer in den Händen der Ehefrau belassen. Sie übernahm sozusagen die Kasse und Vermögensverwaltung. Der Samurai hingegen verwaltete als oberste Instanz über die Dörfer die praktischen Entscheidungen, die praktische Verwaltung und die Gerichtsbarbeit bei einfacheren Rechtsstreitigkeiten. Erst bei größeren Rechtsstreitigkeiten oder wenn Rechtsstreitigkeiten die Lehensgrenzen des eigenen Herren 
( also Samurai ) überschritten wurden, wurde der übergeordnete Lehensherr als richtende Instanz angerufen. Bushido bedeutete auch Verantwortung gleichzeitig verbunden mit Ehre. Im Gegensatz zu europäischen Lehensherren wäre es undenkbar gewesen im japanischen System, dass Lehensherren im Überfluss prassen während das Volk hungert. hier in Europa war dies tägliche Realität, in Japan wäre dies gleichbedeutend mit dem Verlust der Ehre gewesen und einem solchen Samurai wäre Sempuku ( die jap. Methode der Selbsttötung ) befohlen worden, damit die Erde von einem solch ehrlosen Geschöpf "befreit" wird. In Europa klafft der Anspruch des "Adels" und die Realität weit auseinander, in Japan unterwirft sich der Adel voll dem Kodex der Ehre und Verantwortung. Auch das ist Buschido.  Deshalb ist auch Genügsamkeit, Einfachheit und Sparsamkeit ständig gewärtiger Bestandteil des Bushido.
Die Textbeiträge dieser Seiten sind noch in Bearbeitung !
© Harro Walsh