Mentals -                                               Ikebana die Kunst des Gesteckes

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Es dürfte schon in der Ära der Steinzeit vorgekommen sein, dass Menschen - obwohl von der Härte des Überlebenskampfes geprägt - in ihrem Rückzugsbereich also in den Höhlen bereits hie und da mal Blumen, welche bei den Wanderungen auf der Jagd gesammelt wurden - in irgend einer Form in Nischen legten und den Anblick der Blüten im Feuerschein genossen. Später im weiteren Verlauf der Entwicklung der Zivilisation nahm die freie Zeit zu in der der Mensch weniger Zeit auf seine Lebenserhaltung verwendete und mehr Zeit in seine geistige Entwicklung einbrachte.  Im Rahmen dieser Entwicklung wurden die Leistungen des Geistes nicht nur im Bereich der Wissenschaft, sondern auch im Bereich der Philosophie und der Kunst eingebracht. Je nach der sozialen und wirtschaftlichen Umgebungen entwickelten verschieden Teile der geistigen Entwicklungen in spezifischen Denkschemata. Zum Beispiel wurden im europäischen Raum über Jahrhunderte hinweg die geistigen Entwicklungen von der Kirche kontrolliert
( unterdrückt - siehe  Inquisition etc.  ) bis es den Menschen gelang die kirchliche Kontrolle über die Wissenschaft ( zumindest in weitgehenden Rahmen )   zu beseitigen.

Unter den Gegebenheiten entwickelten sich in Japan unter dem Einfluss des Buddhismus - speziell in der lokalen Variante des Shinto - und unter dem Einfluss des ZEN auch sehr spezielle Formen der Kunst. Dies gilt auch für selbst einfachste Grundformen der Kunst - beim Schreiben, im Handwerk, in der Malerei und selbst bei "alltäglichen" Handlungen wie das Teetrinken. In dem Bestreben Perfektion und absolute Harmonie zwischen sich und dem Universum anzustreben wurden selbst einfache Grundvorgänge manchmal zu zeremoniellen Handlungen fortentwickelt den Prinzipien des ZEN unterworfen. Dies galt auch für die Kunst des Blumengestecks, wenn diese in zeremoniellen Räumen aufgestellt wurden.
Für die Teezeremonie wurde in Verlauf der Zeit spezielle Räume ( also eigene "Teezimmer" verwendet. In diesen Räumen befand sich generell eine "Tokumaru"- Nische, in der die Vorfahren des Hausbesitzers geehrt werden sollten.

Treu den Prinzipien des ZEN, wurde die radikale Einfachheit und Klarheit der Prinzipien des ZEN bis ins allerletzte Detail in diesen Räumen umgesetzt. Ikabana hat in der neueren Zeit  ( wobei das ein relativer Begriff ist - gemeint ist die Zeit nach der Auflösung des Feudalismus, also nach dem  ersten Weltkrieg ) auch Wandlungen durchgemacht, die analog zu den verschiedenen Entwicklungen der Kunst in anderen Gesellschaftssystemen ( da ja in der Kunst weltweit ein ständiger Dialog stattfindet ) ist. Ich möchte hier ausdrücklich feststellen,. dass ich hier nicht näher diese neuen Stilrichtungen behandle. Sie weisen Parallelen zu abstrakter Kunst auf, zu der ich persönlich "keinen sonderlich guten Draht" habe. Ich enthalte mich deshalb jeder Interpretation zu den neueren Stilrichtungen.

 

 































 

 

 

 

 
Hier werden also ausschließlich jene Grundlagen des Ikebana betrachtet, die der "traditionellen Form" folgen. Die Grundlage der traditionellen Form ist zuallererst einmal die Meditation. Weitere Grundlagen des traditionellen Ikebana sind: Klarheit, Geradlinigkeit, Einfachheit und Harmonie.

Soweit also die absolute Kurzform der Prinzipien des Ikebana. Weiter fortgeführt ist das fertige Gesteck das Ergebnis eines meditativen Prozesses, das in "Ausführung" der Tätigkeiten des Blumensteckens kulminiert und eine winzige "Momentaufnahme" des Augenblicks festhält, in dem das "Ich" in Harmonie zwischen Himmel und Erde eine ausgewogene Balance erreicht. Dieses Bild der eigenen Position wird mit Hilfe der Blumen im Gesteck repräsentiert. Das Gesteck weist die zwei rudimentären repräsentativen Richtungen des Universums als "zum Himmel führend" und "der Erde folgend" aufweist und - je nach der augenblicklichen persönlichen Lage" das eigene "Ich" im Kontext zu diesen beiden anderen Elementen.

Das oben gezeigte stark vereinfachte Schema gibt diese rudimentäre Aufteilung wieder. 

Für die Repräsentation des Himmels sollen Pflanzen bzw. Blumenteile verwendet werden, die dem Himmelentgegenstreben, die aber auch Weichheit, Geschmeidigkeit und Wachstum repräsentieren.
Für die Repräsentation der Erde sollen Pflanzen bzw. Blumenteile verwendet werden, die sich auf dem Boden ausbreiten, die Kraft und Langlebigkeit und Stabilität aber auch Genügsamkeit repräsentieren.

Jedes Ikebana Gesteck soll als Ergebnis einer meditativen Reflektion den augenblicklichen Zustand der Harmonie zwischen sich und dem Sein wiedergeben. die das Ich repräsentierenden Blumen oder Pflanzenteile sollen eine harmonischen Dialog zwischen Himmel und Erde, zwischen Leben und Tod wiedergeben, in dem eine ausgewogene Balance des Universums sich wiederspiegelt. Entsprechend den Zielen des Zen soll auf alles Überflüssige verzichtet werden, und die Gesamtheit der "Aussage" klar, einfach und direkt sein. Schlichtheit und Sparsamkeit ist wichtiges Gebot. Die Ästhetik der Komposition entwickelt sich aus der Klarheit und aus dem Einfachen und Sparsamen. Der Blick für die Ästhetik des Details ist ein wesentliches Element für ein gelungenes Gesteck. Das Gesteck erfüllt nur dann seine Aufgabe, wenn der das Gesteck Schaffende und das Gesteck selbst eine gefühlte Harmonie bilden.

Auch hier wie bei allen Künsten des ZEN ist handwerkliche Perfektion im Umgang mit den Bestandteilen des Gestecks und des Werkzeugs die Voraussetzung - damit Harmonie und Meditation überhaupt sich entwickeln können. Ist der Mensch in der handwerklichen Tätigkeit beim Erstellen des Gestecks "verhaftet" so kann er seinen Geist nicht lösen zu meditativer Betrachtung. Es ist wie beim Kyudo - also beim Bogenschießen - der Schießende beobachtet mit seinem geistigen Auge, wie der Pfeil sich zum Ziel bewegt - völlig losgelöst von seinen manuellen Handlungen. Das Einlegen des Pfeils, das Spannen des Bogens, das Loslassen des Pfeils erfolgt intuitiv und muss nicht mehr intelektuel kontrolliert ( beaufsichtigt ) werden.

Genauso soll derjenige, der ein Gesteck erstellt, sich nicht mehr um die Handhabung des Messers oder der Schere bewusst führen, sondern die handwerklichen Handlungen sollen intuitiv aus meisterhaftem Können heraus ohne bewusste Kontrolle erfolgen.
 
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© Harro Walsh