Mentals -     the arts of zen    -         ZEN    und    ZEN in den Künsten

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Wenn man sich diesem Thema aus europäischer Sicht nähert, wird sich die wahre Kunst Japans nicht einmal annähernd erschließen lassen. Europäer betrachten Kunst weitgehend als "zweckfreies" Medium ohne Funktion - sozusagen als "Kunst um der Kunst willen". Anspruch der Kunst aus europäischer Sicht ist zuallererst Ästhetik ( und selbst dieser Anspruch wird öfters nicht einmal erhoben ) und gelegentlich interpretiert man in verschiedene "Kunstwerke" eine Botschaft, an die nicht einmal der Künstler selbst dachte, bevor nicht hochgestochene Kunstkritiker diese Botschaft in die Werke "hineinschwafelten"...
Künstler durchlaufen in Europa Akademien mit dem Ziel, dass ihnen wenigstens die Grundbegriffe des "Handwerks" - besser gesagt des handwerklichen Umgangs mit den Medien - mittels derer die Kunst "transportiert" werden soll, vermittelt werden soll. Nicht selten führt das Scheitern, beim "Erlernen des Umgangs mit den Medien" dazu, dass der Aspirant sich mit neuen Medien auseinander setzt, nachdem der Aspirant begriffen hat, dass er beim Umgang mit bisher gängigen Medien scheiterte. Die dann ebenfalls allgegenwärtigen "Kunstschwafler" jubeln dann begeistert -"ob des neuen erweiterten Verständnisses als neuartigen Zugang zur Kunst" derartiges "Schaffen" zur weiten überschätzten "neuen Kunstform" hoch. Die Texte derartig kommentierter "Werke" verblüffen immer wieder, angesichts des Unsinns, der verbreitet wird.
Kunst im Handwerk wird aus europäischer Sicht gering geschätzt - besser geringer bewertet - als die "zweckfreie" Kunst. Und dies - obwohl die handwerkliche Meisterschaft dem Schaffenden weitaus mehr abverlangt, als bei einem zweckfreien Werk. 

Wenn man von ZEN in den japanischen Künsten spricht, ist im allgemeinen die Schaffensperiode vor dem ersten Weltkrieg gemeint. Es gibt nach dem ersten Weltkrieg nur sehr wenig an Kunst, dass sich wirklich mit dem Anspruch verbindet "im Geiste des ZEN" entstanden zu sein. Bei dieser Art der Kunst ist die "wahre" Meisterschaft des handwerklichen die Grundvoraussetzung, damit Kunst überhaupt entstehen kann. Ich verwende hier den Begriff "wahre" Meisterschaft im Kontrast zur europäischen Sicht dieses Begriffes. In Europa genügt es für "Meisterschaft" über die Fähigkeit zu verfügen, dass Material zu beherrschen ( also dem eigenen Willen gemäß zu formen und zu bearbeiten ). "Wahre Meisterschaft" hingegen, geht weit über diesen Punkt hinaus. Bei "wahrer Meisterschaft" wäre die europäische Qualifikation der Meisterschaft bestenfalls mit einem höheren Schülergrad gleichzusetzen.  Die Sichtweise zur Kunst ist im Zen absolut und radikal: Kunst ist das wahre Wesen einer Sache oder eines Tuns zu erkennen, auf  jeden "unnützen" Tand zu verzichten und eine "reine" Form zu erreichen. Dies beschränkt sich nicht nur auf Medien ( z.B. Stahl, Holz, Shoji ( Reispapier ), Pinsel, Blumen, oder Malerei sondern es kann Kunst auch im "Tun" realisiert werden ( z.B. Teezeremonie, Taiko ( jap. Trommelmusik ), Kabuki ( jap. Theater ) oder im Kampfsport ( bei der Ausübung der Katas - siehe hierzu entsprechende Texte auf den Budoseiten dieser Website ). Kunst beim Umgang mit Medien ( also Werkstoffen ) wird nicht "geschaffen", sondern entsteht aus sich selbst heraus, wenn die reine klare Funktionalität im "absoluten Augenblick" des "eins seins mit dem Medium" realisiert wird. ZEN in der Kunst ist immer die Fähigkeit höchste Meisterschaft bei einfachster und klarster Form zu realisieren und die Ästhetik der absoluten Perfektion bei gleichzeitiger absoluter Bescheidenheit sich der Form "hinzugeben". Nur durch diese Hingabe wird es möglich das "Wesen" einer Sache, eines Materials, eines Mediums oder einer Form zu erfassen und dieser zur höchsten Klarheit und Reinheit voranzutreiben, aus der sich die Ästhetik entwickeln kann. Nur aus dieser geklärten Perspektive lässt sich die Tiefe und die Reinheit des Willensaktes erschließen. 

Wie bereits in der Eingangsseite zu diesem Themenbereich dargelegt, ist nicht das Ergebnis das Ziel - das Ergebnis "ergibt" sich von ganz alleine - nein der Weg, die Intensität der Reinheit auf dem Weg, die Klarheit, der Verzicht auf Überflüssiges, Unnützes führt zur "inneliegenden Ästhetik" des wahren Wesens einer Sache oder eines Tuns schält gleichsam einer Zwiebel heraus und wird deshalb immer in sich im Augenblick Perfektion in sich bergen. Erst dann kann man von einer "wahren Meisterschaft" sprechen.  

Die Textbeiträge dieser Seiten sind noch in Bearbeitung !

© Harro Walsh