Indian Stuff   -  Reservations / Ausrottungspolitik der USA

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Reservationspolitik Vertreibung und Ausrottung  

Die 1833 begonnene Besiedlung Oregons und Washingtons und die 1848 anschließende Einverleibung Kaliforniens, New Mexikos und Arizonas, machte es für die USA notwendig, den Prärieraum von kriegerischen Auseinandersetzungen freizuhalten, weil sich die Besiedlungslinie noch weiter nach Norden über den Missouri ausdehnen sollte. Deshalb rückten die Prärieindianer in den Mittelpunkt des Interesses. So entschlossen sich die USA 1851 in Fort Laramie, einem ausgedienten Pelzhandelsposten, zu einem Friedensvertrag mit den Prärieindianern. Die Stämme waren einverstanden, begrenzte Räume als "Stammes-Bewegungsräume" zu akzeptieren und verzichteten darauf, sich frei beweglich von Nord nach Süd und von Ost nach West zu bewegen. So bekamen die Cheyennes und die Arapahos ganz Colorado und West-Kansas zugewiesen und die Sioux Nebraska, Dakota, Minnesota und Wyoming, während sich die übrigen Stämme Montana und Idaho teilen mußten. Weitere Bedingung war, daß die Amerikaner, freien Durchgang durch Indianergebiet erhalten und an den Überlandwegen militärische Forts errichten durften. Im Gegenzug sollten die Indianer Waren im Wert von 5000 Dollar jährlich, in Form von Gewehren, Pulver, Blei, Zündhütchen, Messern, Eisenwerkzeugen und Eisenhaushaltswaren, für die nächsten 50 Jahre erhalten. Auch damit erklärten sich die Indianer einverstanden. Da sie mit den Pelzhändlern gute Erfahrungen gemacht hatten, glaubten sie nun auch mit den westlichen Siedlern zurechtzukommen. So wurde dieser Friedensvertrag offiziell und aktenkundig. Daß damit die ersten Reservationen gegründet wurden, war den Indianern überhaupt nicht bewußt, aber für die USA war dies der entscheidende Punkt für die folgende Reservationspolitik. Leider hielt sich die USA nicht an den Vertrag und verkürzte einfach die Dauer der Warenlieferungen von 50 auf 10 Jahre und der besiegelte Frieden hielt auch nur kurze Zeit und es waren nicht die Indianer, die ihn brachen. Als sich am 17.08.1854 ein Mormonentreck durch Siouxgebiet nach Utah bewegte entlief ihnen eine kranke Kuh, die den Weg in das Siouxlager fand. Die Indianer schlachteten und verspeisten die Kuh. Die Mormonen allerdings behaupteten bei dem Kommandanten, daß die Indianer die Kuh gestohlen hätten. Daraufhin wurde der 2. Lieutenant John L. Grattan mit 29 Soldaten ins Lager geschickt, um sich bei dem Häuptling "The Bear" zu erkundigen. "The Bear" erklärte, daß ihnen die Kuh zugelaufen sei, aber der Lieutenant glaubte diese Version nicht und wollte den Häuptling verhaften. Als "The Bear" ihn auslachte und meinte, sie hätten lieber einen Mann mit Verstand schicken sollen, wurde er erschossen. Im folgenden Kampf wurde Grattan mit samt seinen 29 Soldaten getötet. Obwohl der Kommandant von Fort Laramie die Ursachen des Massakers nach Washington berichtete, ordnete das Kriegsministerium Strafmaßnahmen an. Mit einer Truppe von 1200 Soldaten marschierte Brigadegeneral William S. Harney am 3.9.1855 in das kleine Lager ein und tötete 130 Indianer. Die Überlebenden wurden gefesselt nach Fort Laramie gebracht und mußten dort einem Friedensvertrag, welcher die Errichtung einer befestigten Militärstraße von Fort Laramie nach Fort Pierre erlaubte, zustimmen. Die übrigen Sioux reagierten mit einem verstärkten Kleinkrieg gegen alle Überlandwege. Zu einem großen Friedensvertrags-Treffen hatten die Amerikaner 1855 gerufen, um die Reservationen für das Washington-Oregon Territorium zu beschließen. Häuptling Seattle sprach im Namen der Suquamish und der Duwamish und war bereit alle Bedingungen zu akzeptieren. Er sprach: "... unser Volk sind nur noch wenige. Laßt uns hoffen, daß Feindschaft zwischen den Weißen und uns niemals wiederkehrt, denn wir haben dabei alles zu verlieren und nicht zu gewinnen. ... Der Große Weiße Vater sagt, daß der Gott der Weißen auch unser Gott ist, daß alle Weißen Brüder des Roten Mannes seien. Nun, die Menschen machen sich ihre Götter nach ihren Vorstellungen, und Brüder entstammen dem gleichen Geist. Deshalb ist euer Gott nicht unser Gott, seid ihr nicht unsere Brüder. Wir sind zwei verschiedene Rassen mit verschiedenem Ursprung und verschiedenen Schicksalen. Es gibt wenig Gemeinsames zwischen uns. Uns ist die Asche unserer Ahnen teuer und ihre Ruhestätten sind uns heilig. Ihr verlaßt die Gräber eurer Vorväter und bedauert es nicht. Eure Religion ist auf Papier geschrieben, unsere Religion ist in den Herzen des Volkes niedergeschrieben. Ihr müßt immer wieder in eurem Buch lesen um euch eurer Religion zu erinnern, bei uns ist sie Bestandteil des Bewußtseins. ... Die Worte des Großen Weißen Vaters, der uns eine Reservation zuweist, in die wir uns zurückziehen sollen, sind wie eine Naturgewalt. Der Rote Mann hat versucht, vor den Weißen zu fliehen, ... Der Rote Mann hat viele tausend Jahre glücklich gelebt, und war sich dieses Glücks Tag für Tag bewußt. Stamm folgt Stamm und Nationen folgen Nationen, so wie eine Generation der anderen folgt. ... Eure Zeit des Untergangs mag noch entfernt sein, aber sie wird ebenso sicher kommen. ... Und wenn der letzte Rote Mann von dieser Erde genommen sein wird, und die Erinnerung an mein Volk zum Mythos unter den Weißen geworden ist, so werden dennoch diese Naturgründe erfüllt sein von den unsterblichen Geistern meines Volkes, und wenn eure Kindeskinder sich auf einem Feld, im Geschäft, zwischen Häusern und auf Überlandstraßen, oder im Schweigen der weglosen Wälder einsam fühlen, so werden sie nicht allein sein, denn nirgendwo auf der Erde gibt es einen Ort, der der Einsamkeit vorbehalten ist. ... Ihr werdet es erleben, daß euch der Geist des Roten Mannes zu irgendeiner Zeit zu erfüllen beginnt, in euren Kindeskindern, zu einer Zeit, da ihr allgemein vollkommen gefühllos geworden seid, und euch nur noch Haß und Angst zu Taten zwingen, die nicht nur Vernichtung anderer, sondern auch eure eigene zum Ziel hat. In solchen Tagen wird der Geist des Roten Mannes, der alles Lebende mit großer Andacht bejahte von euren Kindeskindern langsam Besitz ergreifen und auch in jene dringen, die gar nichts vom Roten Manne wissen. Deshalb behandelt unser Volk gerecht und versucht, dem Ende unserer Tage mit Geduld entgegenzusehen, denn unsere Vorväter und wir werden ständig um euch sein und warten bis wir in eurem Charakter ein Samenkorn der Liebe zum Leben pflanzen können. Das aber wird dann der Tod eurer Welt sein."1) Amerikaner, die die Washington-Metropole nach ihm benannten, nannten ihn hochachtungsvoll den "Sokrates des Nordwesten". Durch den Einfluß Seattles überstanden die Indianer des Washington Territoriums (insgesamt 14000) die Reservationspolitik ungeschoren und erfolgreich. Ein Indianeragent schrieb 1849 über die Arapahoes: "Unter den Indianern, die Wagenkarawanen des Santa Fe-Trails überfallen, sind die Arapahoes die zahlenmäßig überlegenen und die gefährlichsten." Um diesen gefährlichen Indianern zu begegnen wurde 1851 ein Friedensvertrag geschlossen, in dem die US-Regierung den Arapahoes ihre Jagdgründe garantierten und zusagten, daß kein Wagentreck dieses Gebiet durchqueren dürfte. Natürlich wurde dieses Versprechen seitens der US-Regierung nicht eingehalten. Im Vertrag von 1860 erklärten sich die Arapahoes bereit, sich seßhaft am Arkansas River in Colorado als Ackerbauern niederzulassen, wenn die US-Regierung sie mit nötigen Saatgut und Gerätschaften versorgten. Auch dies wurde wieder nicht eingehalten und so kamen weiterhin weiße Siedler und ließen sich auf das garantierte Indianergebiet nieder. Bei einem Protest der Arapahoes in Fort Lyon wurden durch die Colorado Milizarmee am 29.11.1864 Männer, Frauen und Kinder niedergemacht. Die, die flüchten konnten, schlossen sich im Norden den Sioux an und kämpften gemeinsam gegen alle Weißen. 1869 lebten die meißten Arapahoes mit den Cheyennes und Groß Ventres in Montana und begaben sich unter dem Druck der US-Armee in die Red Cloud Agency Reservation. Zu einem blutigen Aufstand kam es 1874, weil die Rationen, die auf den Weg ins Reservat waren, von den geldgierigen Beamten einbehalten wurden. Erst 3 Jahre später endete dieser Zustand mit der Verlegung der überlebenden Arapahoes in ein Reservat in Oklahoma. 1930 lebten noch etwa 4000 Arapahoes in den Schutzgebieten Blaine und Canadian County in Oklahoma und im Fremont County in Wyoming. Noch immer gilt die 1879 vom US-Kongeß aufgestellte Definition: "Weder Cheyennes noch Arapahoes haben irgendein legales Recht auf Landbesitz." Zuerst gestatteten die Cheyennes, daß durch ihr Gebiet große Rinderherden getrieben wurden. Die Viehzüchter gaben eine geringe Anzahl an Rinder als "Wegezoll" ab. Als dann aber die Siedler begannen, das Weideland in Nebraska, Wyoming, Kansas und Colorado in Besitz zu nehmen, kam es auch mit den Cheyennes zu blutigen Auseinandersetzungen. Durch den Druck der US-Armee, der Eisenbahn und der Besiedlung mußten die Cheyennes herbe Verluste hinnehmen und sich in ihre Reservation in Oklahoma zurück ziehen. Aber noch einmal versuchten sie sich 1878 gegen die US-Armee unter ihrem Häuptling Dull Knife zu erheben und brachen nach Kansas auf, wo sie auch der Armee einen vernichtenden Schlag zufügten, der aber nicht lange anhielt, so daß sie nun wieder zurück in ihre Reservation getrieben wurden. Reservationen sollten eigentlich den Indianern ein bestimmtes Gebiet zur Verfügung stellen. Es waren natürlich Gebiete, die die US-Regierung nicht selbst benötigte, weil dort keine Bodenschätze zu erwarten waren. Doch diese im Friedensvertrag von 1851 anerkannten Reservationsräume wurden Jahr für Jahr von Siedlern und Goldsuchern zunehmend in Besitz genommen, während die Indianer von Osten nach Westen und von Westen nach Osten gedrängt wurden. Die korrupten Beamten des Indianeramts in Washington verkauften die Warenlieferungen, die für die Indianer eine Art Entschädigung sein sollten, lieber zu ihrem eigenen Vorteil. Auch die Spediteure und Zwischenhändler und selbst die Indianeragenten behielten einen Großteil der Lieferungen für sich, so daß bei den Indianern nur noch Bruchteile vom eigentlichen Warenbestand ankamen. Beklagten sich die Indianer, ging die Beschwerde den gleichen Weg zurück, so daß man sich mit Leichtigkeit vorstellen kann, daß die Beschwerde heruntergespielt oder gar vertuscht wurde. Auch die voranschreitende Besiedlung, der zunehmende Verkehr und der Bau von Forts und Postkutschenstationen, die die Wanderungen der Büffelherden behinderte, beraubte die Indianer ihrer Lebensgrundlage. Doch die Indianer setzten sich zur Wehr und reagierten mit Überfällen auf Wagentrecks, Forts und Stationen. Dies wiederum rief die US-Armee auf den Plan, die die Amerikaner schützen wollte und die Indianer in Kleinkriege verwickelte. Man bot einen neuen Friedensvertrag an. In diesem wurde die Besiedlung des Indianerlandes nachträglich genehmigt, so daß das Territorium der Indianer wieder kleiner wurde. Dieser Vorgang ereignete sich viele Male, so daß die Reservationen zerstückelt, die Indianer dezimiert und der "überlebende Rest" evakuiert wurde. Heute leben etwa 450 000 Indianer in etwa 300 Reservaten. Diese Reservate unterstehen dem "Bureau of Indian Affairs" (BIA-Büro für Indianische Angelegenheiten) und werden von Stammesräten verwaltet. Unterstützt werden sie von einem nationalen Indianerrat. Manche Indianer versuchen außerhalb der Reservate Fuß zu fassen, viele von ihnen kehren aber doch wieder ins Reservat zurück. Zwar hat sich die Infrastruktur erheblich verbessert, aber die Lebensbedingungen sind noch sehr schlecht. Viele sind arbeitslos und sind deshalb auf Sozialhilfe angeweisen. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch, wobei sich das Durchschnittsalter auf 60 Jahre erhöht hat. In den größeren Reservaten versuchen die einzelnen Stämme sich ihrer alten Kultur zu erinnern und sie auch zu pflegen, doch in den etwas kleineren Reservaten ist ein Anpassungsprozeß spürbar.
Hier eine Übersicht der größeren Reservationen mit den dazugehörigen Stämmen:

Arizona Apachen, Hualapai, Navahos, Papagos, Pimas 
Süd-Dakota Sioux 
Montana Assiniboins, Blackfeets, Chippewas, Cheyennes, Crows, Groß Ventres, Salish, Sioux 
Oklahoma Apachen, Arapahoes, Caddos, Cherokees, Cheyennes, Choctaws, Comanchen, Creeks, Delawaren, Kiowas, Miamis, Modocs, Osages, Poncas, Potawatomis, Seminolen, Shawnees 
Idaho Bannacks, Nez Percé, Shoshonen 
Oregon Klamaths, Modocs, Paiutes 
Washington Suquamish, Yakimas 
Wyoming Arapahos, Shoshonen 
Nord-Dakota Arikaras, Groß Ventres, Mandans 
Nebraska Winnebagos 
Wisconsin Menominees 
New York Oneidas, Onondagas, Senecas 
Nord-Carolina Cherokees 
Florida Seminolen 
Nevada Paiutes 
Kalifornien Paiutes , Shoshonen, Yumas