Indian Stuff  -  Ein Brustpanzer zum selbermachen

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Ein Brustschild aus Knochenröhren war bei allen Indianerstämmen - so auch bei den Cheyenne - ein wertvolles Schmuck und Kleidungsstück, dass den Wert des Trägers besonders hervorhob. Die Herstellung ist aufwendig und mit sehr viel Arbeit verbunden. In Kämpfen boten diese Brustpanzer einen gewissen Schutz ohne dabei den Träger in seiner Bewegungsfreiheit zu beengen. In einem solchen Brustpanzer wurden normalerweise die Rippenknochen von mehreren Bisons verarbeitet. weshalb der Besitz eines solchen Panzers oft auf die guten Qualitäten des Trägers als Jäger hinwiesen.

Um einen solchen Panzer anzufertigen werden ca. 90 bis 120 Knochen benötigt. Da es hier in Europa ziemlich unmöglich sein wird Bisonrippen zu bekommen, werden wir versuchen und mit Ersatzstoffen zu behelfen: wahlweise Holz oder mit festem Karton. Wohl dem der zwar Beziehungen zum Schlachthof hat und sich die Rippenknochen von Stieren in entsprechender Zahl besorgen kann, aber dafür werden mit Knochen in der Fertigung Gerüche frei, die nicht unbedingt den häuslichen Frieden fördern.
Wenn man über echte Knochen verfügt, werden diese auf eine Länge von ca. 20 - 25 cm gekürzt und rund abgeschliffen. Die Knochen sollten vorher restlos ausgekocht worden sein - was die erste "Duftorgie" erklärt. Danach werden die Knochen der Länge nach mit einem glühenden Stahldraht durchbohrt/durchstoßen. Spätestens bei dieser Aktion gibt es "Wohnungsverbot " und man wird sich an der frischen Luft wiederfinden.
Anders wenn man als Ausgangsmaterial Holz verwendet. Hier sollte man glatte Teilstücke von Ästen verwenden, dass zwischen den Astknubbeln ist. Man sollte Holz von Ästen verwenden das recht hart ist. Nach dem Durchstoßen des Holzstückes mit glühendem Stahldraht, sollte das Holz schon mal grob "zugerichtet / vorgehobelt" werden.
Wenn man die entsprechende Zahl von "Rohlingen" hat ( egal ob aus Knochen oder aus Holz ) sollten die Rohlinge mit sehr feinem Sandpapier in die entsprechende Endform geschliffen werden ( wie im Bild links zu sehen ist ) . Alle Röhren müssen die exakt gleiche Länge haben.
   Sollten weder passendes Holz noch passende Knochen verfügbar sein, so kann man sich notdürftig mit elfenbeinfarbenen Kartonpapier behelfen. Das Kartonpapier sollte 240Gram/dm haben. Die Basis unten sollte der Länge der Röhren entsprechen und immer die gleiche einheitliche Länge haben. In unseren Beispiel 24 cm. Die Länge zum Aufrollen
( im Bild links von unten nach oben ) sollte dann einheitlich insgesamt 30 cm betragen. Der sich verjüngende Teil beträgt dann 20 cm von den insgesamt 30cm Länge. Die Gesamtlänge kann grundsätzlich variieren - abhängig von der Dicke des Materials - je dicker das Material, desto kurzer die "Rollbahn"; und umgekehrt je dünner das Material, desto länger die "Rollbahn". Untereinander aber sollten dann alle "Rollbahnen" gleich lang sein.
Bevor ein Blatt gerollt wird, muss es mindestens 10 Minuten lang in sehr nassem Tapetenkleister einweichen - also etwa 3-mal so lang wie beim Tapezieren. Dann wird ein 2 mm starker Stahldraht zum Aufrollen verwendet.
( Trick: Reinigungen geben oft die Kleidung auf Drahtkleiderbügeln aus - ein solcher Kleiderbügeldraht unten am langen geraden Teil sauber mit einer Kneifzange zurecht geschnitten eignet sich gut als Ersatz )
Nach dem Aufrollen bleibt der Kleiderbügeldraht mindestens so lange im Röhrchen, bis das Röhrchen außen schon gut getrocknet ist. Dann wird es mit einer gegen die vorherige Rollrichtung gedrehte Bewegung aus dem Röhrchen gezogen.
Dies geht besonders leicht, wenn der Draht vor dem Einrollen etwas eingefettet wurde.
Nachdem alle Röhrchen fertiggestellt wurden, sollten diese mindestens 3-4 Tage gut durchtrocknen, so dass auch der Kern trocken ist. Dann können alle Röhrchen nochmals mit sehr feinem Sandpapier nachgeschliffen werden.
Perfektionisten werden dann die Röhrchen noch sehr dünn mit mattem Klarlack etwas lackieren um das Aussehen eines Knochens besser zu erreichen und die Röhrchen haltbarer zu machen.
Nachdem alle Röhrchen vorhanden sind und bereitliegen für die Verarbeitung, werden vier
ca.15mm breite Streifen aus hartem Leder geschnitten. die vier Lederstreifen werden mit einer Stechahle vorgestochen. Die Lochreihe verläuft exakt in der Mitte der Lederstreifen. Der Löcherabstand wird so gewählt, dass die Röhrchen nachher dicht aneinander liegen also der dicksten Stelle eines Röhrchens entsprechen. Wenn jedes Röhrchen einen Durchmesser von 15 mm hat beträgt der Abstand der Löcher ebenfalls 15 mm. Die Löcherzahl entspricht der halben Anzahl der Röhrchen - also bei 96 Röhrchen wären das 48 Löcher. Dass heißt die Lederstreifen müssen in diesem Beispiel 48 mal 15mm plus weitere 30 mm
( je 15 mm für oberes und unteres Ende )  also insgesamt 75 cm lang sein. Bei Röhrchen mit einem Durchmesser von 12 mm wäre die Gesamtlänge der Lederstreifen demnach 63 cm.
Die nebenan gezeigte Zeichnung gibt Anregung für verschiedene Varianten der Gliederung eines Panzers. In meiner Beschreibung aber werde ich mich auf jene Variation beschränken, die oben in der ersten Zeichnung gezeigt wird. Dafür werden außer den vier vorbereiteten Lederstreifen und der entsprechenden Anzahl Röhrchen ( bzw. Knochen )
noch pro waagrechte Reihe außer 2 Röhrchen je 6 Holzperlen benötigt, die den gleichen Durchmesser haben, wie die Röhrchen. Pro Reihe wird zuerst ein Stück Schusterzwirn mit Doppelter Länge der Röhrchen plus Zugabe der Perlen und Zugabe zum Arbeiten benötigt. Die Gesamtlänge des Fadens sollte bei dieser Auslegung in einfacher Länge ca. 1,4 Meter sein. Als erstes wird der Faden auf der Hälfte gefaltet und durch eine Holzperle so geschoben, dass am anderen Ende der Holzperle eine Schlaufe sichtbar wird. Durch diese Schlaufe wird das ganze restliche Fadenpaar gezogen. Anschließend wird das Fadenpaar durch den ersten Lederstreifen gefädelt, danach durch das erste Röhrchen, dann danach durch den zweiten Lederstreifen, anschließend durch 4 Holzperlen, als nächstes durch den dritten Lederstreifen,  dann wiederum durch das zweite Röhrchen, als vorletztes kommt der vierte Lederstreifen - und zum Schluss
durch die sechste Holzperle. Abschließend wird das Fadenpaar um diese letzte Perle zurückgeführt und um das innen laufende Fadenpaar verknotet.
So wird diese Prozedur solange wiederholt, bis alle Reihen aufgefädelt wurden und das fertige Frontstück so aussieht, wie in der obersten ersten Zeichnung. Danach werden oben zwei Holzperlenreihen entsprechend der Zeichnung aufgefädelt und am oberen Ende des Frontstückes festgebunden. An den Mitten der beiden Holzperlenreihen oben wird ein Lederriemen befestigt. Zum Abschluss wird unten eine Perlenreihe aufgefädelt und entsprechend der Zeichnung festgebunden. an den beiden äußeren Lederstreifen werden 2 lange Lederriemen festgemacht, mit denen später der Brustpanzer festgebunden werden kann, indem die Riemen hinten am Rücken verknotet werden können.

Perfektionisten verzieren die außen liegenden Perlen noch mit Roßhaaren.

Eine tolle Optik erreicht man, wenn die in der Mitte verwendeten Holzperlen rot sind und die außen verwendeten Holzperlen einheitlich entweder braun oder schwarz sind.