Indian Stuff  -  Cheyenne Pfeile und Bogen zum selbermachen

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Der "klassische" Cheyenne Bogen ist ein "Reiter-Bogen", das heißt er wird von Pferderücken aus beim Reiten benutzt. Aus diesem Grund ist er wie alle "Reiter-Bögen" kürzer als die üblichen Bogen. Mit einer Länge von 1,5 Metern ist er aber unter den Reiter-Bögen einer der längsten - im Gegensatz zum Beispiel zu einem typischen Apachen-Bogen, der normalerweise nur 1 - 1,2 Meter lang ist. Der Cheyenne Bogen ist üblicherweise aus Osage-Orangenbaumholz gefertigt. Gelegentlich kamen auch bei den Chexenne Bögen aus Hickoryholz vor, diese waren aber dann meist nur ca. 1,3 Meter lang, da Hickoryholz wegen der vielen Astknollen sowieso nur für kürzere Bögen in Frage kommt. Die traditionelle Form sieht aus wie ein geschwungenes "W" - oder in der Fachsprache es handelt sich um einen "Recurve"-Bogen  mit Doppel-"D" Form.
Im Regelfall haben die Cheyenne ihre Bögen mit Bisonsehnen "belegt" oder besser gesagt verstärkt - um das Auszugsgewicht erheblich zu erhöhen und die Reichweite und Durchschlagskraft zu vervielfachen. Da aber diese Fertigungstechnik sehr sehr zeitraubend und aufwendig ist werde ich zwar an passenden Stellen Einfügungen im Text machen aber den größeren Teil dieser Fertigungstechnik am Ende beschreiben. Außerdem genügt es nicht nur einen verstärkten Bogen herzustellen, vielmehr müssen dann auch etliche Besonderheiten bei der Pfeilfertigung und bei der Schusstechnik beachtet werden, da sonst die Pfeile noch auf dem Bogen vor dem Abschuss gespalten werden oder die Bogensehne schon beim ersten Schussversuch reisst.
Dieses Bild zeigt, wie ein solcher Bogen nach der Fertigstellung durch Malereien, Fell und Lederverzierungen geschmückt werden kann.
Ausgangs Stück ist ein Stab aus Osage-Orangenbaumholz. Bei der Auswakl des Holzes muß größte sorgfalt herrschen und es darf hinsichtlich der Qualitätsmerkmale keine Abstriche geben, da dies unweigerlich zu einem schwachen oder unbrauchbaren Bogen führt. Der Anfangs rechteckige Stab  hat die Aussenmaße von 4,0 x 7,5 cm und eine Länge von 1,5 Metern.

Dieser Stab muß folgende Bedingungen erfüllen:
1. Er muß mindestens 5 - 7 Jahre lang abgelagert sein.
2: Innerhalb des Stabes müssen - innerhalb des 4 cm Querschnittes -
    mindestens 30 Schichten /Jahresringe sein.
3. Innerhalb der Längsfläche dürfen nicht mehr als zwei Jahresringe pro Seite enden.
4. Es darf kein einziges Astloch im Holz sein.
5. Die Maserung muss auf der ganzen Länge absolut gleichmäßig sein.
6. Hier in Europa kann "als zweite Wahl" auch ein Stück Eibenholz
    - mit gleicher Qualität - verwendet werden.
7. Auf der breiteren Fläche muss man die Fläche eine Jahresringes sehen,
       auf der Schmalseite muss man die vielen Schichten der Jahresringe erkennen können.
Als nächstes werden jene Jahresringe, die nicht über die ganze Länge des Bogens reichen vorsichtig abgeschält/abgeschliffen. Nach dieser Prozedur wird auf der glatten einfarbigen Fläche der Stirnseite des Bogen, der obengezeigte Umriss aufgezeichnet.
Der Mittelgriff ist ca. 4,0 x 4,0 cm und insgesamt ca. 14 cm lang und an den Außenkanten leicht abgerundet. Danach verbreitet sich der Bogen bis er nach ca. 18 cm auf beiden Seiten des Griffes auf  6 cm Breite kommt. Diese Breite wird auf einer Länge von ca. 8-10 cm. auf beiden Seiten beibehalten. Danach verjüngt sich der Bogen absolut gleichmäßig zu beiden Enden hin auf eine Breite von 2,0 cm.
Als nächstes betrachten wir den Bogen von der Seite - mit Blick auf die vielen einzelnen Jahresringe. Bis zur Höhe an der der Bogen seine volle Breite auf beiden Seiten des Griffes hält,
bleiben alle Jahresschichten unverletzt erhalten. Von der stelle an, wo der Bogen sich zu seinen äußeren Enden hin verjüngt werden auf jener Seite, auf der später sich die Bogensehne befinden wird ( der Bogeninnenseite ) der Bogen gleichmäßig "ausgedünnt bis er am Ende noch ca. 15mm stark ist und noch ca. 15 Jahresringe Stärke hat.  Dies bedeutet, dass die Seite auf der die Jahresringe enger stehen den Bogenrücken bilden und somit später die von der Bogensehne abgewandte Seite bilden ! Auf dieser Außenseite des Bogenrückens darf nach wie vor kein einziger Jahresring verletzt werden - dass heißt es ist auf dieser Seite nur eine Schicht
sichtbar ! Diese Schicht hat, da sie dem Jahresring "folgt" eine leichte Außenrundung.
Die Zeichnung links oben zeigt den Querschnitt des Stabes vor der Bearbeitung mit der symbolischen Lage der Jahresringe. Im richtigen Stab sollten die Ringe viel enger liegen, das Holz also von einer weiter außen gelegenen Schicht stammen. an den beiden Enden werden anschließend Sehnennoppen eingeschliffen, die der Zeichnung rechts oben entsprechen.
Sollte der Bogen mit Sehnen belegt werden, so sollte ab diesem Abschnitt zuerst mit dem Text am Ende des Beitrages fortgefahren werden, bevor der nächste Abschnitt gelesen wird. Außerdem müssen die Noppen mindestens doppelt so stark sein als hier eingezeichnet, - also darf das Holz an den Außenseiten der Noppen höchstens um 1/5- tel der Gesamtstärke "eingeschliffen" werden, so dass mindestens 3/5-tel des Gesamtquerschnittes erhalten bleibt!
Als nächstes wird ein "Spannblock" gemäß der obigen Zeichnung gefertigt. Der Spannblock hat eine Gesamtlänge von 40 cm. Wenn man den Spannblock auf seiner ebenen Seite auf einem Tisch auflegt, hat er an den Außenenden eine Höhe von 5 cm und in der Mitte am "Scheitel beträgt die Höhe von 8 bis 9 cm !
Das Holz wird über kochendem Wasserdampf mindestens eine bis eineinhalb Stunden gleichmäßig so erhitzt, dass unter gleichmäßigem Zug der Bogen sich zu seinem Bogenrücken
( also der Außenseite ! ) hin gebeugt wird, bis er sich sauber mit kräftigen Seilen auf dem Spannblock fixieren lässt ( siehe Zeichnung ). In dieser Stellung muss der Bogen abkühlen und trocknen. Er sollte so in dieser Form mindestens eine Woche sehr trocken lagern, bevor weiter an ihm gearbeitet wird. Danach wird der Spannblock jeweils nacheinander jeweils für die Erzeugung der Gegenkrümmung an einer Außenseite benutzt. Auch hier wird jeweils mit Wasserdampf gearbeitet, ohne jedoch die Innenkrümmung zu befeuchten oder zu erwärmen !
Nach der Erzeugung einer Gegenkrümmung an einer Außenseite wird wieder der Bogen unter Spannung mindestens 1 Woche zur Trocknung gelagert, bevor am anderen Ende des Bogens die dritte Krümmung bzw. zweite Gegenkrümmung erzeugt wird. Nach Abschluss der Krümmungserzeugung wird der Bogen entweder weiter bearbeitet, oder mit Sehnen belegt entsprechend der Anleitung im letzten Abschnitt.
Es gibt bei den Cheyenne zwei Grundtypen von Pfeilen: Pfeile mit Feuersteinspitzen, welche in der Regel älterer Bauart sind und Pfeile mit Stahlspitzen, die also neuerer Bauart sind. Das Stahl nahmen die Indianer von den Reifenringen, die von Siedlern um die Holzräder ihrer Planwagen aufzogen. Die Cheyenne lernten schon sehr früh das Holz dieser Räder zu entfernen und die Stahlreifen dann durch biegen in kleinere Stücke zu zerlegen. Diese Stücke wurden dann so lange auf Schleifsteinen bearbeitet, bis die Stahlstücke die gewünschte Form erhielten und dann wurden die Kanten Rasiermesserscharf abgeschliffen. Als Schaft dienten in der Regel entweder Weiden- oder Zedernholzzweige. Bei Bögen, die Sehnenverstärkt waren, wurden aber in der Regel für die Schäfte das schwerere und härtere Buchenholz verwendet. Als Pfeilfedern werden in der Regel Truthahnfedern verwendet - vorzugsweise vom Flügel. Zum Binden und montieren wurde Hirschhornleim und Tiersehnen verwendet - hier vorzugsweise die Sehnen der Hinterläufe von Kaninchen und Hasen. Obwohl wir hier bei der Fertigung von Pfeilen im Regelfall auf vorgefertigte Schäfte zurückgreifen werden, sollte der Vollständigkeit halber erwähnt werden, dass die Cheyenne normalerweise im Herbst die Zweige für ihre Pfeilschäfte schnitten und dann immer Bündel von Zweigen zu je ca. 30 Zweigen sehr fest mit Lederriemen zusammenbanden, diese im gebundenen Zustand wässerten ( ca. 2 Tage ) und dann in Höhlen 2-3 Jahre lang ablagerten, bevor die Zweige zu Pfeilschäften verarbeitet wurden. Das Zusammenbinden der Zweige verhinderte, dass sich die Zweige beim Trocknen verziehen konnten, weil die Kräfte der Zweige im Bündel gegeneinander arbeiteten und so nach dem Trocknen alle Zweige "schnurgerade" waren.
Für die Herstellung von Schäften wird ein Holzblock benötigt, der ein gutes Stück länger als die später zu fertigenden Pfeilschäfte ist ( In der Regel also ca.80 - 90 cm lang). In dem Block ist eine schnurgerade ca. 1,5 cm tiefe "Furche"/Rille. Die Zweige werden auf einer Länge von ca. 80 - 85 cm. abgeschnitten. Danach wird der Zweig unter ständigem Drehen in der Holzfurche abgeschliffen/abgehobelt, bis ein absolut gerader Schaft übrig bleibt.
der fertige Schaft wird an einer Seite ca. 4 mm eingekerbt für die Bogensehne, auf der anderen Seite wird der Schaft zuerst zugespitzt und anschließend auf einer Länge von ca. 3 - 4 cm eingekerbt. Die Stahlpfeilspitzen haben eine Länge an der Klingenseite von ca. 5 cm. und einen "Schaftteil" von ca. 3 cm Länge und einer Breite von ca. 15 mm ( dies entspricht in etwa dem Durchmesser des Schaftes ). Die Pfeilspitze wird unter reichlicher Zugabe von Hirschhornleim in seine Position im Schaft angebracht und mit in Hirschhornleim eingeweichten Sehnen fixiert. Danach wird dieser "Sehnenverband" nahe am Feuer zügig getrocknet. Nachdem die Pfeilschäfte alle auf der Seite der Spitze fertiggestellt wurden, werden die Pfeilfedern hergerichtet. Pfeilfedern werden zunächst am Kiel der Länge nach gespalten. die gespaltenen  Hälften werden jeweils auf eine Länge von ca. 12 cm abgeschnitten. Vorne und hinten wird die Feder am Kiel je auf einer Länge von ca. 1 cm "abrasiert", - dass heißt von den Federhaaren befreit, so das nur noch der "nackte" Kiel übrig ist. Diese ca. 1 cm. langen freien Kielstücke werden später zum festbinden/montieren gebraucht. Pro Schaft werden 3 Pfeilfedern benötigt.
Wichtig für die Qualität des Pfeilfluges ist, dass alle 3 Federn für einen Schaft immer den gleichen "Drall" haben also alle 3 Federn entweder eine leichte Rechtskrümmung" auf weisen oder alle 3 Federn weisen eine Linkskrümmung auf. Niemals verschieden gekrümmte Federn auf einem Schaft mischen! Die Pfeilfedern werden so beschnitten, das die Pfeilhaarlänge auf den ersten 5 mm ganz erhalten bleibt und danach die Pfeilhaare auf der ganzen restlichen Länge der Feder auf eine Höhe von 8 - 9 mm herunter gekürzt wird ( siehe Zeichnung im vorherigen Abschnitt ). Die Zeichnung oben enthält recht eine Draufsicht von hinten von der Sehnennoppe des Schaftes aus, um zu verdeutlichen, wie die Federn am Schaft angebracht werden müssen.

Die im 90
o Winkel zur Noppe stehende Feder weist nachher, wenn der Pfeil auf dem Bogen aufgelegt wird, vom Bogen weg. Die 3 Federn werden zuerst auf jener Seite, die zur Pfeilspitze hin weist, mit in Hirschhornleim eingeweichten Sehnen fixiert. Danach wird der Pfeilschaft  dort wo die Pfeilfederkiele aufgelegt werden mit Hirschhornleim bestrichen und nachdem die Federn in Position gelegt wurden werden die Pfeilfederkiele am Noppenende mit in Hirschhornleim eingeweichten Sehnen fixiert. Die Wickelungen mit eingeweichten Sehnen werden bis dicht zur Noppenkerbung aufgelegt, um zu verhindern, dass die Bogensehne das Holz spalten könnte.

Anstelle von Sehnen könnte man auch braunen Schusterzwirn verwenden, der vorher in Leim eingeweicht wurde ( aber bitte kein Weißleim ! ) .

Zusatzabschnitt für Sehnenverstärkte Bögen:

Als erstes steht ein längeres Gespräch mit dem Metzger an. Es wurden als erstes ca. 5 Kilo rohe Sehnen von der Hinterhand eines starken Stieres benötigt. Diese sollten der ganzen Länge nach erhalten geblieben sein. Ferner wird ein großer 3 oder 5 Liter Kochtopf benötigt. Wenn Sie den Hausfrieden mit ihrer "Holden" erhalten wollen, sollten Sie am Wochenende "X" dafür gesorgt haben dass diese entweder ihre Muter besucht oder ein "Wellness"-Wochenende bei einer Freundin verbringt. Am Tage "X" werden die Sehnen in zwei handliche Portionen á 2 1/2 Kilo aufgeteilt und jede Portion muss ca. 3-4 Stunden lang ausgekocht werden, bis nur noch eine weiße faserige Masse übrig bleibt. Hierzu dürfte es pro "Kochgang" erforderlich sein, dass das Kochwasser 3 - 4 mal abgegossen und erneuert wird. Angesichts der in der Küche hängenden Dämpfe und Gerüche wird schnell klar weshalb es sinnvoll war den Anhang für ein Wochenende fern dem heimatlichen Herd unterzubringen......
Nachdem jeweils eine Portion ausgekocht wurde werden die Fasern zuerst gut getrocknet.
Nachdem die Fasern getrocknet wurden, werden diese auf einem harten Brett mit einem Holzhammer flachgeklopft und in einzelne flache Faserstränge aufgeteilt. Am Ende eines arbeitsreichen Tages haben wir nun jenes Material, das für einen Bogen und die zugehörige Pfeile benötigt wird. Das getrocknete Fasermaterial sollte nun ein Gewicht von ca. 400-500 Gramm haben. ( Sie lesen richtig : 400-500 Gramm Fasern aus ca. 5 Kilo Rohmaterial ! )
Der Rest war Fett und Gewebe, das ausgekocht wurde. ca. 300 - 350 Gramm wird für den Bogen benötigt, der Rest reicht für ca. 15 Pfeile.

Wenn der Bogen bereits in seine Form gebracht wurde und gut durchgetrocknet ist, werden die Sehnen für ca. eine stunde in warmen Hirschhornleim eingeweicht und der Bogen wird auf ca. 40
o Celsius angewärmt. ( In eine dunkle Wolldecke einwickeln und in die Sonne legen - bitte kein direktes Sonnenlicht ! ). Dies sorgt dafür, dass das Holz seine Poren öffnet und gut den Leim aufsaugen kann.

Danach werden die eingeweichten Sehnen zügig auf der Bogenaußenseite aufgelegt. Die sehnen Fasern sollen sich gut überlappen ( mindestens 4-5 cm) und im mittleren Drittel des Bogens sollte die Sehnenschicht gleichmäßig breit und gleichmäßig ca. 3 - 5 mm stark sein.
Bei extrem starken Bögen ist diese Schicht ca. 8-9 mm stark. Diese Schicht ist dann nach dem Trocknen noch ca. 6 mm stark und der Bogen hat dann eine Zugkraft von ca. 90 bis 110 Pfund - und ich kenne nur einige wenige Personen, die einen solchen Bogen spannen geschweige denn sicher handhaben können ohne sich ernsthaft zu verletzen. Bei den hier vorgeschlagenen 3-5 mm Sehnenbelegung ist die Schicht nach dem Trocknen ca. 2 bis 3 1/2 mm stark und der Bogen hat eine Zugkraft von ca. 60 bis 70 Pfund.

Danach werden die Sehnen mit gewickelten Sehnen in ihrer Position sehr sehr fest fixiert werden. Anschließend wird unter festem Druck ein Großteil des Hirschhornleims mit einem runden Walzenförmigen Holzstück aus den Sehnen heraus gewälzt/gepresst. Danach wird der Bogen in einem kühlen schattigen und trockenen Ort mit den noch feuchten Sehnen zum langsamen Trocknen gebracht. Nach dem Abtrocknen sollten die Sehnen den Anschein erwecken, als ob sie mit dem Holz verwachsen wären. Über den Punkten, an denen die Sehnen mittels Querwicklungen fixiert wurden, werden die Windungen unter Leder oder Fellverzierungen versteckt.

Als Bogensehne sollten Sie eine Sehne aus endlos Nylonfasermaterial ( Sehnenersatz ) fertigen, das in mehreren Lagen zusammengedreht wurde. Das Material erhält man im Fachhandel für Bogensport. Die Fertigung einer Bogensehne aus Sehnenmaterial erfordert extrem viel Erfahrung und ich rate wegen der drohenden Verletzungsgefahr, die von einer reißenden Sehne ausgeht, dringend vom "Eigenbau" aus Sehnen ab. Die Bogensehne eines mit Sehnen verstärkten Bogens muss mindestens eine Reißfestigkeit von 350 bis 400 Kilo haben !

Der Bogen hatte ohne Sehnenverstärkung eine Auszugskraft von ca. 30 bis 40 Pfund. Bei einem mit Sehnen sauber belegten Bogen lässt sich die Auszugskraft auf ca. 70 bis 95 Pfund erhöhen!

Zur Orientierung bei einem Compoundbogen ist die Auszugskraft in der Regel um die 60 Pfund ( gemessen an einem Brown/Remington- Bogen ).


Aus genau diesem Grund dürfen normale Pfeile auf einem solchen sehnenverstäkten Bogen niemals verwendet werden ! Normale Pfeile würden bevor sie den Bogen verlassen haben, in dutzende Teilsplitter "zerlegt" werden. Normale Aluminiumschaft-Pfeile nehmen entweder beim Abschuss oder beim Aufschlag seltsame Korkenziehr-ähnliche Formen an und Kohlefaserschaft-Pfeile lösen sich gewöhnlich in ihre einzelnen Bestandteile auf.

Hier kommen nur Schäfte aus solidem Buchenholz in Frage mit einem Durchmesser von mindestens 14 mm !
Diese Schäfte dürfen keinen Makel haben, dass heißt die Fasern des Holzes müssen sauber längs verlaufen und dürfen keinesfalls schräg sein. anders gesagt die Jahresringe, die ich an der Noppe sehe, müssen die gleichen Jahresringe sein, die ich an der Pfeilspitze sehe. Der Schaft darf nicht das winzigste Astloch oder den winzigsten Fehler haben!


Als Anhaltspunkte einige Fakten zum Vergleich: Bei einem normalen Compoundbogen der auf 60 Pfund eingestellt ist wird der Pfeil bei einer Schussentfernung auf ein 4 cm starkes Bauholzbrett in 50 Metern Entfernung mit einem Alupfeil einen "Steckschuss" ergeben, bei dem der Pfeil hinter dem Brett noch ca. 1 cm herausragt. Mit einem guten sehnenverstärkten Bogen unter gleichen Bedingungen wird der Pfeil das Baubrett glatt durchschlagen und ein Loch hinterlassen. Den Pfeil selbst wird man etwa 15 bis 20 Meter hinter dem Brett finden ! Ich habe mit einem guten sehnenverstärkten Bogen schon einige Male erlebt, das der Pfeil, wenn man aus einer Entfernung von etwa 40 Metern auf einem Baumstumpf schießt, in einer Tiefe von ca. 15 bis 20 cm stecken bleibt! Ein guter sehnenverstärkter Bogen hat eine Gesamtschussweite von ca. 190 bis 250 Metern ! Ein Spitzenbogen schafft 300 bis 350 Meter!

Mit diesen Werten erreichen die sehnenverstärkten Bögen vergleichbare Werte von Bögen, die aus Bisonhörnern ( Bisonbow ) oder aus Elchgeweihen ( Elkhornbow ) gefertigt wurden.

Ich glaube das verdeutlicht sehr schnell welche Kräfte von solch einem Bogen auf einem Pfeil und auf dessen Sehne ausgeübt werden und weshalb hier größte Sorgfalt bei der Pfeilherstellung und bei der Herstellung der Bogensehne verwendet werden muss!