Budosports - Der Bruchtest   die lästige aber notwendige Leistungskontrolle
                                          
HINWEIS: die auf den Folgeseiten gezeigten Videoclips
                                dienen nur zum Anschauungsunterricht   - NICHT ZUR NACHAHMUNG ! 
                                     Ohne fachkundige Anleitung drohen schwerste Verletzungen !

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Die Zuschauer auf den Veranstaltungen, bei denen eine Budosportart vorgeführt wird, lieben die Bruchtests, weil diese so schön spektakulär aussehen.

Der Bruchtest ( Shiwari ) wird von vielen Kampfsportlern selbst als eine Art ungeliebtes Kind behandelt. Einige wenige betrachten diese Tests mit einer Art Gigantomania Mentalität.

In beiden Fällen ist eine ungesunde Einstellung zur Sache die Ursache für diese Fehleinstellung.

Ich will in diesem Abschnitt nochmals die Grundlagen für den Bruchtest und die verschiedenen Arten der Bruchtests ausführen, um diese ins rechte Licht zu setzen.
 
Zunächst einmal Bruchtests wurden nicht geschaffen, um Anfänger in Panik zu versetzen. Sie wurden auch nicht geschaffen, um eine Schikane für den Sportler zu sein. Sie wurden auch nicht geschaffen, um die Zuschauer zu erfreuen.

Nachdem dies erst einmal klargestellt wurde, nun zum eigentlichen Grund warum Bruchtests existieren:

Sie dienen dem Trainierenden zur eigenen Leistungskontrolle.

Eine Technik setzt sich aus verschiedenen "Komponenten" zusammen:
1. Die physische Technik selbst
2. Die mentale Technik
3. Die Harmonie zwischen physischer und mentaler Technik
4. und in manchen Fällen auch in besonderem Maße die Schnelligkeit
    ( ich meine hier eine besondere Schnelligkeit über die übliche Schnelligkeit
    weit hinaus, bei der man die eigene physikalische Trägheit überwinden muss )

Wenn ich ein normales 2 cm starkes Fichtenholzbrett nehme, kann ich auch als Laie mit einiger Übung und entsprechendem Kraftaufwand mit Gewalt dieses Brett parallel zur Faserrichtung zerbrechen. Dafür muss ich nicht Monate lang eine Budosportart trainieren.

Ich füge deshalb an dieser Stelle eine Anekdote ein, die mir selbst widerfuhr:
Ich fragte als kleiner Junge meinen Sensei einmal, weshalb wir ein und denselben Wurf immer wieder Dutzende von Male wiederholen mussten. Als Geijin ( Ausländer ) hatte ich im zarten Alter von 8 den unschätzbaren Bonus solch dumme Fragen stellen zu dürfen.... Mein Sensei antwortete auf eine verschmitze Art: "Weil ihr Jungs am Anfang mit Kraft die Würfe macht und nicht mit der Technik. Ihr könnt erst dann die Technik erfassen, wenn ihr zu müde seid mit Kraft zu werfen. Und nun mach noch mal 15 Liegestützen extra, bevor Du weiter übst...."

Mit dieser Antwort hatte mir mein Sensei eine Türe aufgestoßen, mit der ich in den folgenden Jahren jede weitere "Schinderei" und Mühsal geduldig ertragen konnte.
Ich begriff, dass wenn ich zu ausgeruht das mache, was er mir zeigt - ich noch nicht "reif" für die Technik sei und diese sich mir erst erschließen würde, wenn ich zu "fertig" sei, um sie mit Gewalt auszuführen.

Was er mir nicht verriet, ich aber später selber draufkam, war das dies auch der Preis war, den man zahlen muss, um zu "Mushin" ( der inneren geistigen Leere, die es einem ermöglicht sozusagen nur noch auf rein instinktiver Ebene zu reagieren - ohne durch irgendwelche Gedanken abgelenkt zu werden - was eines der wichtigsten Ziele des Trainings ist und was einen direkt auch zur Meditation führt ...) zu kommen.

Eine Technik ist erst dann  r i c h t i g  ausgeführt, wenn alle 4 oben genannten Punkte in einem gemeinsamen Punkt kulminieren.
Diese Kulmination gilt es beim Bruchtest zu prüfen!

Es gibt drei Arten von Bruchtests:
Bruchtests bei denen ich etwas zerbreche ( äussere Kraft )
Bruchtests bei denen etwas an mir zerbricht ( innere Kraft )
Bruchtests bei denen Etwas zerbricht, ohne Etwas anderes zu zerbrechen ( Schnellkraft )

Ich nehme für den ersten Fall einmal den Oi Tsuki als Beispiel, aber es ist das gleiche Grundprinzip bei einem Mae Geri oder einer anderen Tritt oder Schlagtechnik ( Ausnahme: Koken, Shotei oder Urakentechniken ):
Beim Schlag kommt nur ein Bruchteil der Kraft tatsächlich aus dem Arm und der Schulter. Die Hauptenergie kommt aus einer ruckartigen Drehung der Hüfte mit dem ganzen Körpergewicht und einem gleichzeitigen strecken des hinteren Standbeines. Alle 3 Faktoren müssen absolut gleichzeitig in einem gemeinsamen Punkt kulminieren. Fehlt der Hüftdreh, dann ist nicht das ganze Körpergewicht im Schlag - ist der Arm nicht im richtigen Augenblick in der Schulter, im Ellenbogen und im Handgelenk "eingerastet" droht eine Selbstverletzung, wird nicht im gleichzeitigen Augenblick das hintere Standbein gestreckt, fehlt die Durchschlagskraft über den "Einrastpunkt" hinaus. Erst alle 3 Faktoren zusammen ergeben den richtigen Oi-Tsuki. Dabei ist die Konzentration bei einem richtigen Oi-Tsuki nicht mehr bei der Technik, den wenn ich über die Technik nachdenke, habe ich schon verloren. Vielmehr ist meine Konzentration auf einem Punkt fixiert, der knapp hinter meinem Punkt liegt an dem ich die Technik ausgeführt habe und am Punkt angekommen bin, zu dem ich hin will !
Wenn dies alles richtig gemacht wird ist der Bruchtest quasi ein "nebensächliches" Hindernis auf dem Weg der Ausführung, das dann auch überwunden wird. Alle 3 Faktoren und dieser mentale Faktor sind der Weg zur Bewältigung des Shiwari.


Beim zweiten Fall nehme ich einen Gedan Barai als Fallbeispiel, obwohl dies für alle Block- und Kontertechniken und auch alle Schlag- und Kicktechniken gilt 
( Ausnahme wieder : alle Koken, Shotei oder Urakentechniken ):
Beim Gedan Barai kommt es vor allem auf 3 Dinge an - einem festen Stand, das Zurückziehen der einen Hand ( oder Faust ) läuft absolut parallel zum abwärts und seitlich gerichteten Fegeschlag des Unterarmes ab, der fegende Unterarm dreht sich
( -  wenn mit dem rechten Arm ausgeführt ) mit einer Drehung gegen den Uhrzeigersinn und die Technik endet in einem "Einrasten" des Unterarmes in seiner "Endposition" im gleichen Augenblick in dem die zurückgezogene Hand/Faust auf der Höhe der Hüfte einrastet, und im gleichen Augenblick ist eine leichte Drehbewegung der Hüfte um die eigene Achse in Fegerichtung abgeschlossen. Alle diese Faktoren zusammen ergeben erst einen sauber ausgeführten Gedan Barai. Die Wucht des eigenen Körpergewichtes, die im Fegeschlag hineingelegt wird durch die Hüftdrehung zusammen mit der Schnelligkeit des Schlages und der Drehung des Unterarmes beim Aufprall gegen den abzufälschenden Tritt oder Schlag ergeben jene Wirkung, die die Angriffskraft des Gegners von einem weg und an einem selbst vorbei lenkt. Im Kopf muss ich quasi schon bei der Ausführung am "Einrastpunkt" angekommen sein. Nur wenn alle Faktoren völlig sauber und korrekt im "Einrastpunkt" kulminieren, kann dazu führen dass ein exakt auf diesen Punkt abgestimmter Schlag mit einer Latte/einem Stock, diese/n am Unterarm zerbrechen lässt, ohne das ich dabei verletzt werde, weil meine innere Kraft am Einrastpunkt auf ein absolutes Maximum konzentriert wurde.

Bei der dritten Art nehme ich als Beispiel einen nach unten gerichteten Shuto-Schlag als Beispiel. Der zu zerschlagende Stab ist aus Bambus und ca. 2-2,5 cm stark und ca. 80 cm lang. Das wäre ja an sich nicht so schwierig wenn es da nicht 2 Probleme gäbe. Da wäre zum Einen, dass der Stab in zwei Schlaufen aus Reispapierstreifen liegt. Diese liegen ihrerseits auf zwei nach oben gerichteten Klingen von Messern oder Tantos. Die Messer sind etwa in Kopfhöhe, der Stab ist etwa in Hüfthöhe. Der Witz dabei ist, nun den Stab zu zerschlagen, ohne das Papier zu zerschneiden. Der Schlag muss also schneller sein als der Schock sich durch das Papier fortsetzen kann. Anders gesagt der Stab muss zerbrochen sein, bevor der Schock des Schlages oben an der Klinge ankommt. Wenn das nicht klappt ist der Stock ganz und das Papier zerschnitten. Hinzu kommt die Tücke des Objektes - der Stab ist elastisch ! Es wird mir also nur gelingen, wenn ich den Schlag in einem Winkel von ca. 35-40 Grad ausführe, weil dann der Stab quasi "starr" wird und nicht mehr federt. Aber das ist keine übermäßige Erleichterung wenn ich den Trick kenne - ich muss trotzdem verdammt schnell sein....Wenn ich da erst nachdenken muss, habe ich schon vor dem Bruchtest verloren.

Es gibt ähnliche Variationen bei denen mit einem Schlag oder einem Kick eine Kerze ausgeblasen werden muss, die etwa 30 cm vom "Einrastpunkt" entfernt ist. der Effekt ist der, dass ich vor der Faust oder dem Fuß her eine "Luftsäule schiebe" weil die Luft nicht schnell genug nach außen ausweichen kann. Die Kerze wird also letztlich von der Luftsäule gelöscht. Bei Shutotechniken kann man wenn diese gut ausgeführt wird, eine Kerzenflamme richtig "hüpfen" lassen weil sich die Luftsäule zwischen Flamme und Docht schiebt und danach die Flamme wieder auf den Docht "zurückfällt".

Die zweite und dritte Art von Shiwaris werden aber ohnehin nur von Probanden erfolgreich ausgeführt, die mindestens den ersten Kyu ( Braungurt ), oder den ersten Dan ( erster schwarzer Gürtel /Meistergrad ) haben. Und selbst bei diesen habe ich schon etliche Fehlversuche gesehen.