Budosport - Kendo                                   Die korrekte Atmung

 

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Ich bin unlängst im Internet über einen hervorragenden Beitrag über die Atmung beim Kendo gestolpert. Der Beitrag wurde auf den Seiten des "Kendo in Dortmund" veröffentlicht und es handelt sich offenkundig um Auszüge aus der Magisterarbeit des Trainers Stefan Alpers. Obwohl seine Arbeit sich gezielt mit der Atmungskontrolle und der Zwerchfellatmung im Kendo auseinandersetzt sind viele Details auch auf die anderen Sportarten des Bushido völlig übertragbar. So ist bei JaiDo die Einatmungsphase während des Griffs zum Schwert, das verharren des Atems das "Ausklinken des Schwerts" mit dem Daumen und während der ganzen Phase des Schwertziehen in einer flüssigen Bewegung direkt in den ersten Schwertstreich übergehend, ist eine kontinuierliche Phase des Ausatmens. Auch bei Kombinationstechniken von mehreren Folgetechniken zieht sich die Phase des Ausatmens über alle Techniken in einem Fluss hin. Beim modernen Karate konzentriert sich die Atmung in einem Fluss wie bei Ebbe und Flut innerhalb der Kata hin in der Block- und Verteidigungstechniken mit dem Einatmen und Angriffstechniken mit dem Ausatmen verknüpft sind und in den Endpunkten der harten Techniken ( Blocks, Schläge und Tritte ) jeweils eine Kompression des Atems den jeweiligen Endpunkt der Einzeltechnik markiert. Kommen die Techniken in Kombinationen, so fließt der Atem in längerem Fluss aus und die Einzeltechniken enden jeweils quasi mit einer Art  "Zwischenkompression" und der Atem fließt anschließend weiter aus bis zum nächsten "Kompressionspunkt".

Doch nun in voller Länge der Beitrag von
Stefan Alpers: 


Kurz nach dem Beginn meines MA (Master of Arts) in Comparative Sports Culture an der internationalen Budo Universität in Chiba, Japan, wurde ich gefragt, über was ich meine Magisterarbeit zu schreiben plante. Da der Kurs über zwei Jahre ging dachte ich, dass ich genug Zeit zur Untersuchung hätte (und meine Meinung vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt ändern würde), also sagte ich, vielleicht ein wenig vorlaut, dass ich gerne einen Blick auf die Atemkontrolle im Kendo werfen würde. Das führte zu etwas Unbehagen bei meinem Tutor Professor Uozumi Takashi, der anmerkte, dass das eine ziemlich schwierige Aufgabe wäre.


Zu der Zeit machte ich seit zehn Jahren Kendo und 18 Jahre japanische Kampfkünste. Ich hatte bemerkt, dass, obwohl es viele Lehrer gab, die behaupteten, dass Atemkontrolle oder korrektes Atmen essentiell sind, wenige von ihnen es anscheinend wirklich lehrten; wenigstens nicht als Teil einer Technik.

Einige würden es in Meditationstechniken wie
Za-Zen oder Yoga trainieren, die Atemkontrolle betonen, und schlugen vor, dass ich das auch tun sollte. Wie auch immer, ich war nicht in der Lage, die Verbindung zwischen diesen extrem statischen Aktivitäten und den Ansprüchen, die an die Atmung bei einer außergewöhnlich dynamischen Aktivität wie Kendo gestellt werden, zu sehen.

Atemkontrolle wird also von Übenden auf höchstem Kendo-Level betont aber was ist mit jenen von uns am Beginn oder in der Mitte unserer Kendo-Laufbahn? Worin, wenn überhaupt, offenbart sich diese Zwerchfellatmung in den Techniken, die wir ausüben? Aus Mangel an mündlicher Anleitung wandte ich mich zu geschriebenem Material; und das war der Start meiner MA-Untersuchung.


Allerdings wurde bald klar, dass sehr wenig über dieses Thema geschrieben wurde; Autoren erwähnten Atemkontrolle manchmal kurz in einer allgemeinen Arbeit über Kendo-Technik aber ich konnte nichts finden, das eine präzise und systematische Erklärung enthält. Dieses Fehlen wurde auch von Sato Ukichi, einem der einflussreichsten Kendo-Lehrer im Nachkriegsjapan, erkannt und bedauert:; Atemmethode hat einen direkten Effekt auf das Ergebnis eines Kendo-Kampfes und deswegen ist die Frage nach Atmung in einer Kampfsituation eine, die viel Forschung verdient.

Leider gibt es aus irgendeinem Grund relativ wenige Arbeiten, die sich damit beschäftigen.
[1] Also musste ich viele Kendo-Handbücher und Abhandlungen in der Bibliothek durchgehen, und aus Magazinen die Erinnerungen von älteren Kendo-Lehrern, um puzzleartig das zu erstellen von dem ich hoffe, dass es sich als etwas herausstellen würde, das dem Gesamtbild der Rolle der Atemkontrolle im Kendo nahe kommt. In Ermangelung jeglicher strukturierter Referenz richtete ich mich bis zu einem gewissen Grad nach der berühmten Kyudo-Abhandlung „Zen in der Kunst des Bogenschießens“; des viel respektierten deutschen Philosophen und Gelehrten Eugen Herrigel; in einem Versuch, sowohl durch Kendo eine in der japanischen Kulturbewegung weit verbreitete Charakteristik zu illustrieren, als auch meiner Arbeit ein wenig akademische Glaubwürdigkeit zu verleihen.


Herrigel bestimmte die Rolle der Atemkontrolle in den verschiedenen Stufen seines Techniktrainings und ich fragte mich, ob seine Ergebnisse auch für Kendo gelten würden (Da dies eine Kendo-Publikation ist werde ich nicht zum Kyudo abschweifen aber ich ermuntere jeden Leser, diese bemerkenswerte und extrem einflussreiche Arbeit zu lesen). Was ist

also der Unterschied in der Atmung im Kendo? Beim Kendo wird einem manchmal beigebracht, durch den Bauch zu atmen oder Zwerchfellatmung zu benutzen; ein Begriff der häufig benutzt wird um eine Atmung zu bezeichnen, die die Unterleibsmuskeln (größtenteils das Diaphragma) benutzt, im Gegensatz zu der typischen brustkorb-basierten Atmung, in der die Atmungsmuskeln die interkostalen Muskeln sind.

Allerdings ist die Zwerchfellatmung, die im Kendo gelehrt wird, ziemlich anders als konventionelle Zwerchfellatmung
[2]. Beispielsweise bläht sich der Unterleib bei der konventionellen Zwerchfellatmung auf, wenn man einatmet, und „entleert“ sich, wenn man ausatmet. Allerdings wird beim Kendo gelehrt, immer etwas Spannung im unteren Unterleib zu haben, mit dem Ergebnis, dass sich der Unterleib während des Ausatmens niemals „entleert“; und einige Kendo-Lehrer befürworten „umgekehrte Zwerchfellatmung“ bei der der untere Unterleib während des Ausatmens sogar anschwillt.

Die Zwerchfellatmung des Kendos hat Ziele, die über den normalen Atemgasaustausch hinausgehen und die eigentlich verbunden sind mit dem Transfer des Kendo-Schwerpunktes, nicht nur physikalisch sondern auch psychologisch, vom Ober- in den Unterkörper, ein ganzheitlicher Zentrumstransfer nach unten. Die traditionelle orientalische Verbindung zwischen psychologischem Zustand und Atmung ist heutzutage gut dokumentiert und durch wissenschaftliche Forschung belegt. Wenn man in einem ruhigen psychologischen Zustand ist, ist die Atmung, natürlich, kontrolliert und regelmäßig. Sie neigt sich auch zu tiefer abdominabler Atmung. Wenn man angestrengt und panisch ist, tendiert die Atmung zu „steigen“ und wird flach und schnell; das Extrem ist Hyperventilation.

Diese Idee der Stabilität, „tief“ zu sein („Beruhig dich“), und Erregung, „hoch“ zu sein („Temperament steigt“), gibt es auch im Westen, aber die Verbindung zwischen Psyche und Atmung ist wechselseitig. Atmung wird durch den psychologischen Zustand beeinflusst, kann aber auch eine Änderung des psychologischen Zustandes hervorrufen. Obwohl Atmung üblicherweise unbewusst funktioniert, ist es eine der wenigen Körperfunktionen, die bewusst verändert werden kann, woraus das Konzept der Atemkontrolle resultiert.

Dieses wurde lange im Osten angewendet, wo Meditationstechnik üblicherweise versucht, die Atemmuster der Ruhe zu replizieren, das heißt Zwerchfellatmung, um einen psychologisch ruhigen Zustand zu erreichen. In der Tat postuliert das asketischste Training Japans, Zen, Training von Körper (Haltung), Atmung und Geist als seine essentiellen Elemente. Dieser verlängerte Aufsatz wird nicht versuchen, Kendo im Hinblick auf den Zen Buddhismus zu erklären; ich beabsichtige den Fokus zum größeren Teil auf die Atemkontrolle in tatsächlicher Technik zu halten.

Jedoch fordern die Prinzipien des Kendo, die von der Alljapanischen Kendo Föderation festgelegt wurden, dass sein Ziel sein sollte, durch Training der Kendotechniken die Person zu verändern. Von Kendo wird gesagt, dass es drei Typen von Training umfasst: physisch, mental und ethisch; es ist ein Weg, ein
michi, welcher einen nicht nur physisch transformieren sollte, sondern auch zu einem andersartigen psychologischem Wesen führt; das ist die festgelegte Zielsetzung. Daher, dass Atemkontrolle ein wichtiges Element in anderen japanischen asketischen Trainingsmethoden zu sein scheint, scheint es mir, dass es im Kendo gleich wichtig sein dürfte.

Wenn es so wäre, würde eine Studie darüber nicht nur viel über Technik offenbaren, den so genannten physikalischen Aspekt der Kunst, sondern auch über den psychologischen Inhalt, der benötigt wird, um die höchsten Stufen zu erreichen. Zur gleichen Zeit, wenn, durch das Mittel der Atemkontrolle, Technik gleichzeitig auf physischem und psychischem Niveau funktionierte, würde sie, in sehr anschaulichen Begriffen, Aufschluss über das orientalische Konzept der Einheit von Geist und Körper geben und würde den Anspruch von Kampfkünsten beglaubigen, dass sie mehr sind als physische Übungen.

In den nächsten Ausgaben werde ich untersuchen, wie sich Zwerchfellatmung im Kendo manifestiert, beginnend von der Grundhaltung und Kleidung; Fußarbeit, Grundschlagtechniken und Trainingsschemata wie
kiri-kaeshi und kakari-geiko. Ich werde auf die Beziehung zwischen Unterleibsatmung und ki-ai (Stimmgebung) schauen. Ich werde ihre Rolle beim seme-ai (gegenseitiges testen auf Schwächen vor dem Schlag) betrachten; und darauf schauen, wie sie in kata (formale Übung) gelehrt werden kann.


Schließlich werde ich betrachten, wie einige sehr fortgeschrittene Kendo-Übende sie nutzen um ihr Training zu verbessern und ihre Funktion auf den höchsten Stufen der Kunst betrachten.

Ich schrieb in der ersten Ausgabe, dass ich in erster Linie auf die Atemkontrolle schauen wollte, so wie sie in der Kendotechnik auftaucht, und da „Technik“ Bewegung voraussetzt mag es fremd erscheinen, dass ich mich in dieser Ausgabe auf eine Diskussion über die Kendohaltung und Kleidung beschränken werde. Allerdings finde ich es wichtig daran zu erinnern, dass sich die technische Theorie, Ethik und Ästhetik von Kendo nicht von der japanischen Gesamtkultur getrennt entwickelte. Wir können generell in japanischen Künsten eine Tendenz beobachten, Körper und Geist oder Theorie und Praxis nicht zu trennen; lieber Monismus als Dualismus.


So wie ein Vorgang oder ein Prozess in seiner Gesamtheit gesehen wird, die einzelnen Teile des Vorgangs als untrennbar verbunden und gleich wesentlich angesehen werden, so werden Unterschiede wie einfach und fortgeschritten oder Stillstand und Bewegung weniger wichtig.  Eher ein ganzheitlicher als ein analytischer Ansatz. In der Tat fühlen sich einige nicht-japanische Kendo-Übende, die vielleicht mehr an einen systematischen Ansatz

gewöhnt sind, frustriert von den traditionellen Kendo-Lehrmethoden, wo sie sich unsicher über den Zweck einer bestimmten Übung sind. Wenn man zum Beispiel mit Gewichten Bizepsübungen macht, weiß man, dass man arbeitet, um einen bestimmten Muskel zu stärken. Aber diese Sorte von zielgerichtetem Training ist für japanische Künste nicht charakteristisch; Kendo suburi haben viele Ziele, wozu die Korrektur der Haltung, Stimmgebung, Schlagtechnik und Atemkontrolle gehören; sogar psychologisches Training.

Also können die Prinzipien in japanischen Künsten auf eine undurchsichtigere, weniger klare Weise gelehrt werden. Da ich mich damit beschäftige, wie Atemkontrolle im Kendo gelehrt wird, muss ich folglich über die einfache „So musst Du atmen.“-Erklärung (wenn es sie denn überhaupt gibt) hinausschauen und Eigenschaften des Kendotrainings berücksichtigen, wo Atemkontrolle ein begleitender Aspekt ist.


Und so werde ich diesmal bei den Grundlagen starten und einen Blick auf die Beziehung zwischen Haltung, Kleidung und Atemkontrolle werfen. Körperhaltung und Atmung Wie ich letztes Mal geschrieben habe postuliert das japanische Zen ein ganzheitliches Training, in dem Haltung und Atmung untrennbar für die Erzeugung einer psychologischen Änderung verbunden sind. Diese Verbindung zwischen Haltung und Atmung wird auch in den japanischen Künsten anerkannt: „Korrekte Haltung hat nur Sinn als Basis für korrekte Atmung: korrekte Atmung wird aus korrekter Haltung natürlich fließen.“
[3] Daher sollte eine Untersuchung der Kendohaltung viel über die Atemtechnik beim Kendo offenbaren.

Also was ist Kendohaltung? Ich werde mich hier auf die grundlegende „statische“ Haltung des Kendo beschränken, im Gegensatz zur „dynamischen“ Haltung (
kamae). Die Grundhaltung im Kendo wird als shizen-tai (wörtlich „natürlicher Körper“; ein Begriff der zuerst vom Begründer des modernen Judo, Kano Jigoro, geprägt wurde) bezeichnet und ist auf folgende Art definiert: „ Eine fundamentale Kendohaltung, die stabil, ausgewogen und natürlich ist, aus der man seinen Körper bewegen oder aus der man auf eine Bewegung des Gegners antworten kann, schnell, genau und unbehindert. Der Schlüssel zu dieser Haltung ist, die Füße etwas nach rechts und links zu setzen, so dass die Zehen nach vorne zeigen, und den Schwerpunkt zwischen den zwei Beinen zu halten, sowie den Rücken natürlich zu strecken, die Hüften einzuziehen, die unteren Bauchmuskeln leicht anzuspannen, dass Kinn einzuziehen, aufrecht geradeaus zu schauen, den Nacken und die Schultern zu entspannen und die Arme leicht am Körper zu halten.“[4] Oya Minoru, (Kyoshi 7. Dan) Professor

an der Internationalen Budo Universität, fasst die Kendo-Grundhaltung als eine Körperhaltung zusammen, in der der gesamte Körper entspannt ist; ein natürlich gebogener Rücken mit etwas Spannung im unteren Bauch; lockere Schultern und gerader Hals[5].

Wenn wir diese Thesen berücksichtigen sehen wir, dass beide die Gewichtung darauf legen, den unteren Bauch stramm zu halten aber den Oberkörper zu entspannen. In der Kendoausbildung wird uns immer wieder gesagt uns zu entspannen (nahezu immer unseren Oberkörper und die Arme; wann wurde einem zuletzt gesagt, die Beine zu entspannen?), dies wäre eine Voraussetzung für die gleichmäßige und schnelle Ausführung der Technik.

Also ist diese Grundhaltung, die einen entspannten Oberkörper erfordert, die ideale Basis für gute Technik. Und wenn wir akzeptieren, dass Atmung und Haltung untrennbar verbunden sind, so ist denkbar zu vermuten, dass gute Technik ebenfalls korrekte Haltung voraussetzt. Mitsuhashi Shuzo (Hanshi 8. Dan) lehrte, dass Zwerchfellatmung essentiell war, um gute Haltung und damit korrekte Technik zu erreichen: „Um den Unterbauch stramm zu bekommen und die Muskeln zu entspannen benötigt man Zwerchfellatmung. Und die Schultern senken sich durch Zwerchfellatmung. Dies ist grundlegend um korrekte Technik auszuführen.“
[6]

Wir sehen also, dass im Kendo Körperhaltung, Atmung und Entspannung verknüpft sind und wichtig sind, um korrekte Technikausführung zu erreichen. Es gibt eine berühmte konfuzianische Lektion, die in akademischen Arbeiten über Kendo oft zitiert wird; das einfache Männer durch ihre Kehlen atmen, wahre Männer jedoch durch ihre Füße atmen. Natürlich ist es unmöglich zum Atmen die Füße zu benutzen aber diese Passage wird interpretiert, dass sie sich nicht ausschließlich aufs Atmen bezieht, sondern eher auf einen Zustand, in dem die Körperhaltung ausgeglichen und entspannt ist und der Schwerpunkt sehr niedrig ist
[7].

Also können wir sehen dass Haltung und Atmung als so tief verbunden erachtet werden, dass sie als Begriffe geradezu untereinander austauschbar sind. Da korrekte Atmung aus korrekter Körperhaltung fließen wird und umgekehrt korrekte Atmung essentiell für korrekte Haltung ist, ist es in dem monistischen Lehransatz des Kendo unmöglich und irrelevant zu sagen, was zuerst kommt; sie sind beide essentielle Elemente der ganzen Technik. Da die Haltung ein sichtbares Element ist, kann es jedoch in den frühen Stufen des Kendo leicht korrigiert werden (anders als das nebulösere und subjektive Element der Atemtechnik).

Folglich möchte ich vorschlagen das, wenn einem Anfänger die grundlegende Kendohaltung gelehrt wird, er auch stillschweigend in die Grundlagen der Zwerchfellatmung eingewiesen wird. Kleidung und Atmung Kendo-
hakama und -keikogi sind essentielle Kleidungsstücke, die jeden Tag von den Kriegern im prä-Meiji Japan getragen worden sind.

Ich will nicht zu weit vom Weg abirren; dies ist schließlich ein Kendo-Magazin; aber ich denke das es nützlich wäre, für einen Moment über die charakteristischen Unterschiede der Kleidung des westlichen 19ten Jahrhunderts und japanischer Kleidung nachzudenken; und was uns das über die Haltung, und also auch Atmung, aus einer vergleichenden kulturellen Perspektive sagen könnte. Westliche Kleidung aus der Zeit: Zylinderhüte; lange Mäntel; enge Hosen mit Gürteln auf Hüfthöhe, anscheinend dazu entworfen, dass westliche Ideal der „invertierten Dreiecks“- Haltung zu betonen, in der die Schultern nach hinten gezwängt, die Brust nach außen geschoben und der Bauch eingezogen ist.

Traditionelle japanische Kleidung dagegen, mit seinen weiten Hosen und passenden Jacken, erscheint völlig im Einklang mit einer anderen Betrachtungsweise von Körperhaltung, die eher Breite als Höhe betont, und mit einem viel tieferen Schwerpunkt. Und so scheint es selbstverständlich, dass Ideen von Haltung und Atmung eng verbunden wären. Kendokleidung und Rüstung reflektieren diese Beziehung; und da wir gesehen haben, dass Haltung und Atmung untrennbar verbunden sind, bedeutet das, dass Kleidung und Atmung irgendwie verbunden sind.

Ich möchte eine Anzahl von Elementen betrachten, die diese Verbindung demonstrieren und so weiter illustrieren, dass Betrachtungen von Atemkontrolle Kendo in seinen elementarsten Stufen durchdringt. Im Vorkriegskendo war es normal einen
obi, oder Schärpe, zu tragen, gerade unter dem Bauchnabel, über dem keikogi und unter dem hakama; und das findet sich nach wie vor im Kyudo, Iaido und klassischem Kenjutsu, und auch, wenn diese Kleidung bei formalen Nicht-Budo-Veranstaltungen getragen wird. Also hat sich das moderne Kendo, bei dem der hakama direkt auf dem keikogi gebunden wird, von dem traditionellen Weg, diese Kleidung zu tragen, getrennt. Diese Trennung von Traditionen wurde von vielen hochrangigen Kendoka kritisiert; und diese Kritik beschränkt sich nicht auf die Ästhetik; sie wurde auch auf einen damit verknüpften Niedergang in korrekter Haltung und Atemtechnik gerichtet.

Professor Baba Kinji (Kyoshi 7. Dan ) von der Kokushikan Universität befürwortet eine Rückkehr zum Tragen eines
obi; weil er sowohl eine „Basis“ für hakama und dogi liefert, als er auch, und noch wichtiger, sowohl objektiv und subjektiv, den Unterbauch (seika-tanden) hervorhebt. Professor Baba argumentiert, dass das Tragen eines obi der erste

Schritt zur Bewegung und Atmung aus dem Unterbauch heraus ist ; und so wichtig zur Erreichung korrekter Technik ist[8].

Da viele Kendoka nun keinen
obi tragen, kann dieses ihre Fähigkeit, Zwerchfellatmung auszuführen, direkt beeinflussen. Der koshi-ita (das feste Rückenteil des hakama) ist dazu gedacht, obenauf dem obi zu liegen und der koshibela (der Plastikspachtel an der Rückseite des hakama) ist dazu gedacht, in den obi gesteckt zu werden um zu verhindern, dass der hakama herunterrutscht. Weil ein obi nicht länger getragen wird, werden die Bänder des hakama oder des tare zu fest gebunden, um den hakama am Rutschen zu hindern, und dieses kann die freie Bewegung des Unterleibes hemmen. Der hakama und das tare werden oft auf Hüfthöhe gebunden, was inkorrekt ist, da es einen tiefen Schwerpunkt nicht betont und Zwerchfellatmung behindert. Es ist traditionell den hakama so zu binden, dass der Knoten unter dem Bauchnabel ist, so dass sich der Unterleib darüber ausdehnen kann. Ebenso sollte das tare nicht zu hoch oder zu fest gebunden werden. Es sollte tief und locker genug gebunden werden um dem Unterleib zu erlauben, sich während des Atmens zu bewegen. Dies scheint ein besonderes Problem für Frauen zu sein, die, weil ihre Hüften breiter als ihre Bäuche sind und bei denen deswegen ein lockeres tare auf jeden Fall hoch rutschen wird, gezwungen sind, ihre tare auf Hüfthöhe zu binden und damit ihren Schwerpunkt anzuheben und Zwerchfellatmung zu behindern.

Wir sehen also, dass die Kendokleidung die
shizen-tai-Betonung auf den Unterkörper reflektiert; den unteren Körper. Aber was ist mit dem Oberkörper? Ich bin sicher, dass viele von euch gewarnt worden sind sicherzustellen, dass vor Prüfungen der keikogi faltenfrei und sorgfältig in den hakama gestopft ist. Auf den ersten Blick erscheint das als ästhetische Überlegung; es sieht elegant aus. Aber eine Haltung, die den Unterkörper betont, muss folglich den Oberkörper nicht betonen und ich behaupte, dass ein keikogi, der sich nicht aufbauscht, genau das tut - er erlaubt den Prüfern zu sehen, dass der Rücken gerade und die Hüfte nach vorne geschoben ist. Und ob man diese korrekte Haltung hat spricht Bände über sein Kendo als Ganzes[9].

Wir haben also gesehen, dass schon bevor man ein
Shinai aufnimmt, die Elemente von Zwerchfellatmung in seinem Kendo verstärkt werden. Der Umstand, dass ein Lehrer Atmung noch nicht einmal erwähnt hat, ist irrelevant ; die Lehrmethode im Kendo ist monistisch und muss nicht zwischen Haltung und Atmung unterscheiden. Wir haben gesehen, dass Elemente, die an der Oberfläche als rein ästhetisch oder zufällig erscheinen, Teil des ganzheitlichen Ansatz des Kendo sind, Technik zu erlernen; Technik in Tradition verkörpert.

Wir sind auf einer Stufe angekommen, wo die Haltung es einem ermöglicht, korrekt zu atmen und den Oberkörper zu entspannen; und die Kleidung verstärkt diese korrekte Haltung. Das nächste mal möchte ich betrachten, wie diese Haltung/Atmung im
mokusô (Meditation vor dem Training) verstärkt wird; auf die dynamische Haltung im Kendo (kamae) schauen und die Verbindung zwischen Fußarbeit und Atmung untersuchen.

Seiza oder Mokusô und Atemkontrolle 

In dieser Ausgabe möchte ich zuerst die Übung von
seiza (ruhiges Sitzen) und mokusô (stille Kontemplation) betrachten, wo man vor und nach dem Training für eine Weile ruhig sitzt, und im Besonderen seine Verbindung zur Zwerchfellatmung untersuchen.

Die korrekte Haltung für
mokusô ist die gewöhnliche japanische formale knieende Haltung für seiza (Abhängig von den Ideogrammen, die für das Schreiben von japanischen Worten benutzt werden, kann sich ihre Bedeutung in unterschiedlichen Maßen verändern. Seiza, welches sich auf die Körperhaltung bezieht, wird mit dem Zeichen geschrieben das „korrekt“ (sei) bedeutet, und mit dem Zeichen für „Sitzen“ (za) und bedeutet deswegen wörtlich „korrektes Sitzen“. Allerdings wird die Übung des ruhigen Sitzens in der seiza-Haltung vor und nach dem Training manchmal einfach als „seiza“ bezeichnet, welches mit dem Ideogramm für „ruhig“ oder „beruhigen“ (sei) und üblicherweise mit einem älteren Zeichen für „Sitzen“ (za) geschrieben wird. Wenn du das verwirrend findest dann sei versichert, das Japaner das auch finden!).


Die Elemente des
seiza sind sehr ähnlich mit denen, dich ich für shizen-tai in meinem letzten Artikel beschrieben habe: der ganze Körper ist entspannt; ein natürlich nach innen gewölbter Rücken mit etwas Spannung im unteren Unterleib; lockere Schultern und gerade Hals.

Übliche Fehler in der Haltung enthalten, den Rücken nach außen zu wölben (in Japan als
„Katzenbuckel“ bezeichnet) und die Brust herauszustrecken. In der Okada-shiki Seizahô-Meditationsschule werden die Elemente des korrekten Sitzens mit dem Begriff der „drei V“ gelehrt, der hervorhebt, dass das Gesäß nach hinten geschoben wird; die Hüften und der Bauch nach vorne geschoben wird, der Rücken nach innen gewölbt ist und die Region um den Solar Plexus der Brust auch nach innen und nicht nach außen gewölbt sein sollte[10].

Die Besonderheiten des Sitzen in
mokusô vor und nach dem Training betrachtend, schrieb Baba Takenori (Kendo Kyoshi 7. Dan):“Im seiza sitzend sollte man die Augen schließen (nicht ganz, sondern nur die Augenlider soweit herunterlassen, bis die Augen halb geschlossen sind und man 2-3 Meter vor sich sehen kannst), die linke Hand auf die rechte Handfläche[11] legen, so dass sich die Daumenspitzen treffen um einen Kreis mit Daumen und Fingern zu bilden (hokkai jôin), und sie in den unteren Unterleib ziehen.“[12]

Wir haben also untersucht, wie man den physikalischen externen Aspekt des
mokusô annimmt; aber wir müssen dennoch seinen Grund erwähnen; warum tun wir das? Ich stimme ausdrücklich der Ansicht zu, die in Inoue Hanshis Artikel (s. erste Ausgabe) geäußert wird, dass wir mehr tun sollten als „nur die Bewegungen machen“, aber in der überwiegenden Mehrheit der Clubs (auch denen in Japan) wird den Praktizierenden wenig oder gar keine Anleitung in dieser Sache gegeben. Inoue Hanshis Erklärung von mokusô und hokkai jôin behandelte den etwas esoterischen Aspekt des Buddhismus und geistige Entwicklung an.


Tatsächlich postuliert der japanische Zen-Buddhismus eine Trainingsmethode, in der man zuerst die Körperhaltung korrigiert, was dann zu korrekter Atmung führt. Ein Ergebnis davon ist ein Wandel im psychologischen Zustand und geistige Erleuchtung. In einer ganzheitlichen und monistischen Übung sind diese Elemente gleich essentiell und verstärken sich gegenseitig aber auf dieser Stufe möchte ich mich auf die Untersuchung der physikalischen Beziehung zwischen dem Sitzen in
seiza und Atmung beschränken; und vorerst davon Abstand nehmen, in die verfeinerten Bereiche der psychologischen Transformation abzuirren. Wie können sehen, dass die seiza-Haltung, welche den Unterleib betont und

den Oberkörper vernachlässigt, und die hokkai-jôin-Handhaltung, die weiterhin das tanden hervorhebt, völlig mit der in der letzten Ausgabe diskutierten shizen-tai-Haltung übereinstimmen und die eng mit der Zwerchfellatmung verbunden sind.


Tatsächlich definiert das maßgebendeste japanische Wörterbuch
[13] sogar die seiza-Übung als geistiges Training durch Entwicklung von Zwerchfellatmung. Dies weist also darauf hin, dass die Ziele von mokusô oder seiza im Kendo das Erlernen und die Entwicklung von Zwerchfellatmung sein könnten. Einige Lehrer[14] befürworten tatsächlich spezielle Lehrmethoden für Zwerchfellatmung während mokusô, um sicherzustellen das Schüler langsam und gleichmäßig atmen; Spannung in ihren Unterbäuchen halten, und zu lehren, dass ihre Atmung so ruhig sein sollte, dass sie von Beobachtern nicht wahrgenommen werden kann. Sanmiya Kazuhiro (Kyoshi 8. Dan) lehrt seine Studenten, durch ihre Nasen drei Sekunden lang einzuatmen, den Atem für zwei Sekunden zu halten und durch den Mund 15 Sekunden lang auszuatmen, was drei Atemzügen pro Minute entspricht[15].

Einige Lehrer borgen sogar direkt von zazen
[16] und befürworten als Technik, die Anzahl der Atemzüge zu zählen um sich von der aktiven Wahrnehmung der Umgebung loszulösen und die Seele vor und nach dem Training zu beruhigen[17]. Allerdings schreibt Omori: „In modernen Kendo-Dojo werden die Leute dazu gebracht, für einige Minuten oberflächlich seiza einzunehmen aber sie werden nicht besonders in der Atmung gelehrt“[18] und solche Lehrer werden zunehmend die Ausnahme.

Tatsächlich wurde ich vor einigen Jahren persönlich gewarnt, nicht wie ein Hund Luft durch den Mund zu schlucken, wenn ich in
seiza sitze, nachdem das Training beendet wurde (das war nach 30 Minuten kakari-geiko im sommerlichen Tokio) und als ich für meine Magisterarbeit recherchierte stieß ich auf die folgende Anleitung, die etwas Aufschluss auf die Gründe dieser (scheinbar grausamen) Anweisung brachte: „Nach der Übung gibt es eine Tendenz für den Atem, schnell und schwerfällig zu werden. Zu diesem Zeitpunkt muss man die Kraft in den Unterbauch stecken, sein Schnaufen kontrollieren und sich bemühen, seine Atmung nicht zu offenbaren. Wenn man sich nach dem Training hinsetzt muss man tief und leise atmen und den rasenden Puls beruhigen. Schnelle Atmung ist ein hässlicher Anblick.“[19]

Ich glaube, dies illustriert perfekt die Verbindung zwischen äußerem physischem Auftreten (Körperhaltung) und Atmung und verstärkt meine Behauptung, dass in vielen Bereichen des modernen Kendo, einschließlich
mokusô und seiza, Zwerchfellatmung, wenn auch stillschweigend, gelehrt wird. Kamae; Fußarbeit und Atmung Wie ich in der letzten Ausgabe geschrieben habe ist die Grundkörperhaltung von Kendo shizen-tai. Allerdings ist es vielleicht korrekter shizen-tai als Kendos statische Haltung zu beschreiben; wenn man ein shinai aufnimmt und umherwandert ist die Haltung, die als Basis für die Technik dient,

kamae: kamae ist Kendos dynamische Haltung.

Eigentlich gibt es fünf
kamae im Kendo (jôdan, hassô, chûdan, waki und gedan) aber in letzter Zeit, wenngleich es eine Minderheit gibt, die jôdan no kamae benutzt, benutzt die überwältigende Mehrheit der Kendobetreibenden chûdan no kamae ( auch als seigan bekannt). Dieses kamae ist auf folgende Art definiert: „Eine Stellung, in der der rechte Fuß leicht vorne von der aufrechten Haltung ist und der linke Fuß auf einer Linie mit der rechten Ferse platziert wird; das shinai wird mit der rechten Hand knapp unter der tsuba (Parierscheibe) und der linken Hand am tsuka-gashira (dem Ende des shinai-Griffs) gehalten und die Verlängerung des ken-sen (Schwertspitze) zeigt auf den Bereich zwischen der Kehle und den Augenbrauen des Gegenübers. Das ist die grundlegendste Stellung im Kendo und ist sowohl für Angriff als auch Verteidigung geeignet.“[20]

Obwohl oberflächlich
kamae, shizen-tai und seiza unterschiedlich erscheinen, führen sie im Wesentlichen dieselben Elemente: aufrechter Körper mit einer Betonung des Unterleibes und einer korrespondierenden Vernachlässigung des Oberkörpers: alle Elemente, die wir schon mit Zwerchfellatmung in Verbindung gebracht haben. Und wenn man das „3-V-Diagramm von Bild 1 auf Bild 3 transponiert wird man beobachten, dass Kendos dynamische Körperhaltung gewissermaßen mit dem seiza identisch ist, das im Atemkontrolle-basierten Meditationssystem der Okada-shiki Seizhô benutzt wird.

Zudem wird im
kamae die linke Hand sehr nahe am tanden positioniert; und sie wird dort behalten, egal welche Technik man durchführt. Obwohl es dafür technische Gründe gibt, stellt es wohl auch, in ähnlicher Weise zu der Art, wie die Hände in seiza am tanden gehalten werden, eine Betonung des Unterleibes dar. Angeblich hat der in der Vorkriegszeit bedeutende Trainer Ozawa Aijiro gelehrt, dass man beim Kendo fühlen sollte als wenn „dein Bauchnabel auf der Parierscheibe ist; dies wird dich beruhigen. Atme durch den Nabel und deine Atmung wird dein kamae zusammenführen.“[21]

Und Oya Minoru weist auf eine Verbindung zwischen linker Hand und Atemkontrolle hin: „Du musst Deinen Atem, der bei jeder Gelegenheit zu steigen versucht
[22], mit der linken Faust

zurück in den Unterleib stopfen.“[23] Da kamae eine dynamische Körperhaltung ist folgt daraus, dass Fußarbeit und Haltung im kamae eng verbunden sind. Kendos grundlegendste Fußarbeit ist okuri-ashi, bei der der linke Fuß alle Bewegungen initiert und den Körper (mit der Hüfte in seiner Mitte)vorwärts in den Raum schiebt, der durch den Vorwärtsschritt des rechten Beines entsteht; das linke Bein agiert als eine Feder, um das rechte Bein und den Körper nach vorne zu treiben und so die fundamentale insgesamt aufrechte Haltung erhält.

Deswegen muss die Ferse des linken Fußes immer vom Fußboden entfernt sein, um sofortige Vorwärtsbewegung zu ermöglichen; dieses Element ist sowohl eine statische als auch ein dynamische Anforderung der Kendohaltung. Ein allgemeines Problem unter Anfängern ist, dass sie ihrer Ferse erlauben sich auf dem Fußboden niederzulassen. Wenn das passiert gibt es die Tendenz, mit dem rechten Bein einen Schritt nach vorne zu machen und das linke hinterher zu ziehen, statt das das linke Bein den Körper nach vorne treibt; das erzeugt eine Zeitverzögerung, in der sich der Körper nach vorne lehnt und die Haltung zerstört, was wiederum ernste Probleme bei der Technikausführung und korrekter Atmung hervorruft.

Maeda Haruo (Kyoshi 7. Dan) sieht eine direkte Verbindung zwischen dynamischer Haltung, Fußarbeit und Zwerchfellatmung: „Im Kendo muss die Fußarbeit eine aufrechte Position vorantreiben; man kann keine korrekte Fußarbeit ohne einen geraden Rücken durchführen. In der
tanden-Atmung ist ebenfalls ein fundamentales Element, den Rücken gerade zu halten.“[24] Eine aufrechte Körperhaltung, in der die Hüfte nach vorne geschoben ist, ist eine Voraussetzung sowohl für okuri-ashi als auch Zwerchfellatmung.

Ogawa Chutaro verstärkt diese Verbindung zwischen Fußarbeit und Atmung, indem er es auf die Interpretation der konfuzianischen Lektion, dass normale Männer durch ihre Kehle atmen aber wahre Männer durch ihre Füße atmen, erweitert: „Wenn Menschen im Kendo durch ihre Nase oder ihre Kehle atmen enden sie darin, nur mit ihren Armen zu schlagen;. Im Kendo sind deine Hüften und Beine entscheidend. Wenn deine Fußarbeit schlecht ist, wird dein Atemrythmus zusammenbrechen. Er bricht über deine Beine, über deinen linken Fuß zusammen; Wenn du deine Füße richtig machst, wird dein Atmen richtig sein. Du atmest mit deinen Füßen; Wenn dein linkes Bein korrekt ist, dann wird dadurch dein Schwerpunkt handeln und deine Haltung wird stabil sein.

Nakayama-sensei
[25] schaute während Prüfungen nur auf linke Beine; wenn das linke Bein schlecht war, würde er sie sofort durchfallen lassen. So wichtig wäre es, dachte er.“[26] Der verstorbene Narazaki Masahiko (Hanshi 9. Dan) behauptete ebenfalls, dass abdominale Haltung essentiell für sowohl korrekte Haltung als auch Fußarbeit ist und schrieb: „Entwickle deine Atmung indem du Stärke in deinen Bauch steckst und nimm einfach ein shinai auf.

Wenn du das tust werden deine Beine und dein Rücken stark werden und du wirst in der Lage sein, echtes Kendo zu machen.“
[27] Also haben wir in dieser Ausgabe gesehen, wie die für die Zwerchfellatmung nötigen Elemente nicht nur in der statischen Kendohaltung shizen-tai sondern auch in der sitzenden Haltung seiza und in der dynamischen Haltung kamae präsent sind. Das weist darauf hin, dass Zwerchfellatmung ein wichtiger Teil der Kendo-Technik ist und auch, würde ich vorschlagen, impliziert, dass Zwerchfellatmung stillschweigend über die äußeren physikalischen Elemente der Körperhaltung auf einer frühen Stufe des Kendo-Trainings gelehrt wird. Wir haben auch gesehen, das viele angesehene Lehrer eindeutig die statische und dynamische Kendohaltung mit Zwerchfellatmung assoziieren, obwohl solche Lehrer dazu neigen, sich mit Zen zu beschäftigen oder ihr Kendo im Vorkriegssystem gelernt haben.

In der nächsten Ausgabe werde ich die Rolle der Atmung in der Ausführung von Grundübungen untersuchen und dabei auf
suburi, kiri-kaeshi und kakari-geiko schauen.

In den letzten drei Ausgaben habe ich mich mit Kendo und Atemtechnik beschäftigt und damit, wie es sich in Kendokleidung und -haltung (sowohl statischer als auch dynamischer) manifestiert. Wir haben beobachte, dass Kendo viele seiner statischen Charakteristiken mit anderen traditionellen japanischen Kulturen wie Zen-Meditation teilt.


Allerdings ist Kendo durch heftige Bewegung charakterisiert und so möchte ich in diesem Artikel damit beginnen zu untersuchen, was mit der Atemkontrolle passiert, wenn man damit beginnt, dynamische Technik anzuwenden.


Die grundlegendste Form von Technik im Kendo sind
suburi (Übungsschläge), bei denen das shinai aus dem kamae über den Kopf gehoben und wieder heruntergebracht wird, um auf eine Position zu schlagen, die entweder men, kote oder bei einem imaginären Kontrahenten entspricht. Oft für den Schlüssel zur Meisterung korrekter Schlagausführung gehalten, beschränkt sich die Erklärung der suburi fast immer auf die physikalische Bewegung mit keiner Erläuterung darüber, was mit der Atmung während der Übung passiert.

Mitsuhashi Shuzo (Hanshi 8. Dan) analysierte, was mit dem Atem während
suburi passiert; einfach während des Ausholens einatmen und während des Abwärtsschlagens ausatmen.[28] Da die Brust beim Heben des shinai geöffnet wird und beim Herunterkommen des shinai zusammengepresst wird, erscheint es als eine völlig natürliche Weise so zu atmen und benötigt möglicherweise weniger ausführliche Erklärung. Jedoch wird im Kendo und anderen japanischen Künsten große Bedeutung darauf gelegt, „Arbeit zu tun“ während man ausatmet (die „Arbeit“ im Kendo ist der Schlag, oder Schnitt, und nicht das vorhergehende Ausholen).

Damit eine Handlung oder Bewegung effektiv oder wirkungsvoll ist, muss sie während des Ausatmens ausgeführt werden; und führt zu den Konzepten von
jitsu“ (effektiver, starker, vollständiger Zustand) und „kyo“ (ein falscher, schwacher und leerer Zustand). Es wird geglaubt, dass man im Kendo nur dann eine effektive Technik ausführen kann, während man ausatmet; wenn man in einem wirkungsvollen Zustand ist (jitsu); und das hat weit reichende Konsequenzen während freier Übungen, wie wir später sehen werden.

Daher legt Sato Tsuji dar, dass man, bei der Berücksichtigung von Atemkontrolle im Kontext der Technik, sich darauf konzentrieren sollte, auszuatmen.
[29] Sato Ukichi deutet eine der Ursachen für diese Theorie von jitsu und kyo an. Wenn man inhaliert, neigen die Muskeln dazu, hart und steif zu werden; und es wird schwierig sich frei zu bewegen und so Kraft zu erzeugen. Wie auch immer, wenn man ausatmet entspannen sich die Muskeln und man kann sich schneller und kraftvoller bewegen.[30]

         
Im Kendo, wie in vielen anderen japanischen Kampfkünsten
[31], ist eines der größten Hindernisse, fortzuschreiten, die Unfähigkeit, sich zu „entspannen“. Übende tendieren dazu, Geschwindigkeit oder Stärke mit Kraft gleichzusetzen und spannen konsequenterweise ihre Muskeln an (und vorrangig Oberkörpermuskeln), mit dem Effekt, dass sie eine „muskuläre Pause“ in ihren Bewegungen einlegen was sie damit ihrer Flüssigkeit beraubt und sie vorzeitig ermüdet. Deswegen wird Entspannung (im Japanischen datsuryoku; wörtlich „Stärke abführen“) während der Technik auf allen Kendo-Stufen betont und Atemkontrolle (Ausatmen während Technikausführung) kann dabei helfen.

Das passt vollkommen zu der Übung von
ki-ai. Indem sie darauf bestehen, dass ihre Schüler beim Schlagen von suburi Töne von sich geben, mögen Kendo-Lehrer eine Anzahl von Zielen erreichen aber eines davon ist sicherlich, dass sie sicherstellen, dass die Schüler beim Schlagen wirklich ausatmen. Meine Erfahrung ist, dass viele Schüler, die auf

Anfängerniveau sehr steif sind, auch sehr gehemmt beim ki-ai sind; diese Eigenschaften kombinieren sich und machen ihr Kendo ruckartig und ermüdend.

Rein vom Standpunkt der Atemkontrolle gesehen, wird, da
ki-ai Ausatmen beinhaltet, es aus sich selbst heraus Geschwindigkeit, Gewandheit und Kraftgenerierung für den Schlag verbessern. Ich werde ki-ai und Atemkontrolle später ausführlicher abhandeln Also können wir bei suburi oder Schlagausführung einen grundlegenden Rhythmus von Einatmen beim Ausholen und Ausatmen beim Abwärtsschlagen sehen. Jedoch ist es nicht so einfach!


Gemäß vielen Kendo-Theoretikern sollte im Moment des Kontaktes der Atem angehalten werden, um die Energie zu maximieren. Herausragende Kendoka so wie Mitsuhashi Shuzo
[32], Watanabe Shigeo[33] und Sato Ukichi[34] raten alle, dass die Atmung beim Herabschwingen vom Ausatmen zum Stoppen umschwenken sollte. Sato Ukichi

schrieb folgendes: „Beim Schlagen sollte man das Schwert über den Kopf bringen während man einatmet und als ob man den ganzen Körper nach oben streckt. Dann, als wenn man den gestreckten Körper zusammenziehen möchte, sollte man den Atem anhalten „Un und abwärts schlagen. Dies trifft zu, egal ob man große oder kleine Techniken macht.


Wenn man schlägt oder stößt, hält man den Atem im unteren Bauch.“
[35] Das hier benutzte lautmalerische „Un“ ist sowohl aus technischer als auch aus kultureller Perspektive sehr wesentlich. Sato scheint sich auf das (esoterische) buddhistische Konzept des A-Un zu beziehen, in dem A der erste Ton der Schöpfung ist und einen Anfang bezeichnet und Un der letzte Ton der Schöpfung ist und einen Abschluss bedeutet[36]. Die Idee der A-Un-Atmung ist in japanischer Kultur nicht auf Kendo beschränkt, aber es wird üblicherweise dafür gehalten, Atmung zu kennzeichnen, die mit Ausatmung (A) beginnt und mit Einatmung (Un) endet[37]. Jedoch benutzt Sato Un nicht als Inhalation sondern um eine Methode zu beschreiben, den Atem anzuhalten[38] indem man den Unterbauch benutzt; ein starker Hinweis, dass Zwerchfellatmung an der Technik zur Kraftgenerierung beteiligt ist.

Inoue Masataka, ein Hanshi 9. Dan, stimmt zu, dass im Kendo
Un ein Anhalten des Atems bezeichnet: „Wenn man A-Un-Atmung auf Kendo anwendet, ist A Ausatmung und Un ist Anhalten des Atmens. In anderen Worten, beginne den Schlag während des Ausatmens aber beende ihn durch das Anhalten des Atems.“[39] Und Oya Minoru (Kendo Kyoshi 7. Dan) schreibt, dass man im Zeitpunkt des Auftreffens den Atem im Unterbauch halten, oder hineinstopfen, sollte, um beste Technik zu erreichen.[40]

Folglich sind wir bei einem grundlegenden Atmungsschema von Einatmen; Ausatmen - Anhalten während der Technikausführung angelangt. Wir haben gesehen, dass dieses Anhalten des Atems zum Zeitpunkt des Auftreffens mit dem Anspannen der unteren Bauchmuskeln in Zusammenhang steht und wir könnten, da dieses eine Charakteristik der Zwerchfellatmung ist, den Schluss ziehen, dass während der Technikausführung auftretende Atmung Zwerchfellatmung ist. Tatsächlich erklärt Mitsuhashi eindeutig, dass es das ist: „Die grundlegendste
Atemmethode während Technikausführung ist Zwerchfellatmung; welche in der Absenkung des Schwerpunktes und sowohl der physischen als auch psychischen Stabilität resultiert.“[41]

Wir haben gesehen, dass das Atmungsschema Einatmen; Ausatmen; Anhalten mit den entsprechenden einzelnen physikalischen Bewegungen Ausholen; Herabschwingen; und Auftreffen korrespondiert. Also wird ein Schlag in einem Atemzug ausgeführt. Das ist die Bedeutung des Begriffes
ichi-byoshi (wörtlich der Takt eines Rhytmus) auf seiner einfachsten Stufe.


Er wird im Japanese-English Dictionary of Kendo definiert als: „ Die Art und Weise wie Schlagbewegungen mit dem Shinai oder Körperbewegungen mit einem Atemzug ausgeführt werden. Außerdem ein Schlag, in dem die Bewegungen der Hände und Füße mit der Atmung zusammen auftreten.“ Allerdings benutzt Mitsuhashi ichi-byoshi auf spezielle Weise; um einen Schlag zu beschreiben, wo der Wechsel von Ausholen und Herabschwingen so sanft wäre, das wenn er nicht wahrnehmbar ist. Um das zu erreichen rät er, vom Ein- zum Ausatmen zu wechseln, kurz bevor das Shinai mit der Abwärtsbewegung beginnt, und schlägt vor, statt bewusst an das Einatmen; Ausatmen; Anhalten- Muster zu denken, sollte man sich, wenn überhaupt, auf den Ausatmen; Anhalten-Zustand konzentrieren. Noch Maßgebender betont er, dass, da Atmung und Bewegung untrennbar verbunden sind, wiederholendes Üben der korrekten Bewegungen unvermeidbar dazu führen wird, dass man sich die entsprechenden korrekten Atmungsmuster aneignet und damit auch zu einer Verbesserung der Technik gelangt. Es ist nur wichtig sicherzustellen, dass man beim Schlagen ausatmet.[42]

Darin können wir eine mögliche Antwort auf meine anfängliche Frage aus der ersten Ausgabe dieses Magazins sehen; wenn Atmung so wichtig für Kendo-Technik ist, warum wird sie dann nicht gelehrt? Mitsuhashi könnte antworten, dass sie über die Anleitung der physikalischen Bewegungen gelehrt wird; ich bin sicher uns wurde allen gesagt, dass das
shinai vor dem Schlag nicht über dem Kopf stoppen oder pausieren sollte; was vielleicht eine gute alternative Definition von ichi-byoshi ist, aber keine, in der auf Atmung Bezug genommen wird. In dieser Ausgabe haben wir gesehen, dass die einfachste Technikausführung im Kendo, obwohl oft nur in reinen Begriffen ihrer einzelnen physikalischen Bewegungen gelehrt, auch ein korrespondierendes Atmungsschema von Einatmen; Ausatmen - Anhalten hat. In der nächsten Ausgabe möchte ich betrachten, was mit diesem Atmungsschema in dynamischeren Situationen wie kiri-kaeshi und  passiert.


In dieser Ausgabe möchte ich die einfachen Übungsmuster kiri-kaeshi und kakari-geiko im Zusammenhang mit der Atemkontrolle betrachten. Insbesondere möchte ich verfolgen, was mit dem grundlegenden Atmungsschema, welches im Zusammenhang mit den einfachen Schlagübungen (suburi) diskutiert wurde, in diesen viel dynamischeren Trainingsmethoden passiert. Kiri-kaeshi Kiri-kaeshi (auch als uchi-kaeshi bekannt) wurde als Teil der modernen uchikomi-geiko-Kendo- Trainingsmethode[43] entwickelt - welche jene Trainingsübungen umfasst, die Schläge auf vorgegebene Ziele oder auf vom Partner freigegebene Ziele beinhalten; und die auch kakari-geiko beinhaltet. Kiri-kaeshi wird als essentielles Trainingselement sowohl für Anfänger als auch erfahrene Übende angesehen, wird aber heutzutage oft lediglich in Begriffen einer Kombination von geraden men-Schlägen und wiederholten Schlägen auf die linke und die rechte Seite des men (sayu men) definiert, ohne Atemkontrolle zu erwähnen[44].

Jedoch erstreckt sich der Nutzen von
uchikomi-geiko im Allgemeinen gewöhnlich sicherlich über die Grenzen der physikalischen Technikausführung hinaus; die Hokushin Itto ryu[45] legt die folgende Liste der zehn Tugenden vor, die durch uchikomi-geiko ausgebildet werden[46]:

1. Die Geschwindigkeit und die Intensität der Schläge nimmt zu.
2. Die Stärke der Schläge steigt an.
3. Die Atmung wird kontrollierter und regelmäßig.
4. Die Bewegung der Arme wird freier.
5. Der gesamte Körper wird entspannter und flexibler.
6. Die Möglichkeit das Schwert zu handhaben verbessert sich.
7. Der Unterbauch wird stabiler, was in einer guten Körperhaltung resultiert.
8. Man beginnt, Schlaggelegenheiten zu erfassen.
9. Das Verständnis für
ma-ai, die korrekte Distanz, aus der zu schlagen ist, wird verbessert.
10. Der Schwertgriff wird leichter und Aktionen scharf.

In dieser Liste können wir sehen, dass die Nummern 3 und 7 mit dem Thema der Atemkontrolle zusammenhängen könnten, so wie wir es bis jetzt betrachtet haben. Mitsuhashi Shuzo kommentiert folgendermaßen: „Man muss
uchi-kaeshi mit ki-ken-tai no itchi ausführen.

Also ist es entscheidend, dass man es mit Seele ausführt; dass man die Muskeln entspannt, indem man den Unterbauch anspannt; dass man sich aus den Hüften heraus bewegt; dass man Körperbewegung und Schlagaktion synchronisiert und dass man es rhythmisch ausführt.“
[47] Auch hier bezieht sich Mitsuhashi nicht ausdrücklich auf Atemkontrolle bei kirikaeshi aber die Übung, den Unterbauch anzuspannen und damit den Oberkörper zu entspannen; den Unterkörper zum Zentrum der Bewegung zu machen; alles wichtige Elemente, um mit ki-ken-tai no itchi (Einheit von Seele, Schwert und Körper) zu schlagen; ist eng mit der Zwerchfellatmung verbunden, die wir schon untersucht haben.


Ferner gibt es jene die behaupten, dass
kiri-kaeshi ein offenkundiges Ziel von korrekter Atmung hätte. Ogawa Chutaro schreibt: „Was ich hauptsächlich lehre ist Atemkontrolle; und die beste Art, es zu lehren, ist durch kirikaeshi und kakari-geiko. Man sollte nicht versuchen, mit großer Fertigkeit zu treffen, um den Gegner zu schlagen; man soll nur große Schnitte mit dem ganzen Körper machen. Bevor man es weiß, wird sich die Atmung verbessern.“[48] Hier lehrt Ogawa, dass man in der künstlichen, sicheren Zusammenkunft des kiri-kaeshi (der Gegenüber wird nicht zurückschlagen!) die Gelegenheit hat, Techniken auf eine den Grundlagen getreue Art und Weise zu üben; und dies ist eine Art und Weise, die Atemkontrolle entwickeln wird.

Diese Idee, dass Atmung und physikalische Bewegung untrennbar miteinander verbunden sind, erinnert stark an Mitsuhashis Konzeptualisierung von
suburi (siehe letzte Ausgabe). Allerdings scheint das Atmungsmuster, das beim kiri-kaeshi gelehrt wird, anders auszusehen: „Wenn man kiri-kaeshi macht, sollte man nicht viele Atemzüge machen. Man soll es in einem Atemzug machen und die Ausdauer vergrößern. Es ist hart aber man muss es aushalten.“[49]

Hier belehrt uns Baba, nicht bei jedem Ausholen einzuatmen, sondern das ganze
kiri-kaeshi in einem Atemzug zu beenden. Das Atmungsmuster, das beim kiri-kaeshi gelehrt wird, kann wie folgt zusammengefasst werden:

1. Nimm
chudan no kamae in tô ma-ai ein und atme tief ein.
2. Drücke diesen Atem runter in den Unterleib.
3. Rücke mit dem
ki-ai „yah“ (kakegoe) vor und schlage men, ohne noch einmal
    einzuatmen. Alternativ: [nur auf 1 bis 3 anzuwenden]
1. Nimm
chudan no kamae ein.
2. Rücke mit dem
ki-ai „yah“ vor.
3. Atme beim Ausholen ein und schlage
men.
4. Beginne vom
tai-atari aus vier sayumen vorwärts und fünf rückwärts zu schlagen,
    ohne einzuatmen.
5. Nimm wieder
chudan no kamae in tô ma-ai ein und schlage, ohne einzuatmen,
     wieder
men.
6. Atme im
tai-atari schnell ein.
7. Beginne vom
taiatari aus vier sayumen vorwärts und fünf rückwärts zu schlagen,
    ohne einzuatmen.
8. Nimm wieder
chudan no kamae in tô maai ein und schlage, ohne einzuatmen,
    den letzten
men.

Obwohl man idealerweise den finalen
men schlagen sollte ohne einzuatmen, da dieser Schlag sehr energisch sein sollte, schlagen einige Lehrer vor, dass es besser ist, vor dem Schlag einzuatmen, bevor man die Qualität des Schlages gefährdet. Aber auf jeden Fall kommt man sehr schnell außer Atem, da man beim kiri-kaeshi bei jedem Schlag ki-ai „men!“ machen (und somit ein wenig ausatmen) sollte. Sumi Masatake (Kyoshi Hachidan) von der Universität Fukuoka legt sehr viel Wert darauf, zu lernen die Schwierigkeiten auszuhalten, die durch diesen Druck kommen, der auf die Atmung platziert wird: „Ich muss betonen, dass der Wert von kiri-kaeshi als Trainingsmethode darin liegt, die Möglichkeit zu entwickeln, einen weiteren Schlag herauszuquetschen, und dann noch einen, auch dann wenn man sich außer Atem fühlt.“[50] Ich unterbreite, dass wir hier im modernen Kendo eine Reflexion der Lehre über die Vorzüge von uchikomi-geiko der Hokushin Itto-ryu sehen können.


Wenn sich also das Atmungsmuster im
kiri-kaeshi von dem der einfachen suburi unterscheidet; eines, in dem man der Versuchung, einzuatmen, so lange wie möglich widersteht, während man Mehrfachschläge ausführt; stellt sich die Frage, warum?

Als nächstes möchte ich genau betrachten, worauf diese Atemmethode zielt. Baba lehrt, dass, da
kiri-kaeshi die Wiederholung von Mehrfachtechniken bedingt, es wichtig ist zu trainieren, nicht außer Atem zu kommen: „Im kiri-kaeshi muss man den Gegenüber vom tai-atari aus schonungslos verfolgen, und so kann von kiri-kaeshi als Weg gedacht werden, zu lernen, wie man den Körper benutzt, wenn man renzoku-waza (Mehrfachtechniken) ausführt; Es gibt Leute, die nur einen Schlag ausführen können; ihr wirkliches Problem ist vielleicht, dass sie außer Atem kommen.“[51]

Obwohl Baba hier die Wichtigkeit des physikalischen Wechsels von links nach rechts hervorhebt, von einem Schwerthieb zum nächsten, bemerkt er, dass es die Atemkontrolle ist, die diesen Wechsel sanft macht.
[52]

Wie wir in Ausgabe 4 gesehen haben, wird im Rahmen der Atmung eine einzelne Technik durch Einatmen > Ausatmen > Halten gebildet, und wenn man in der Mitte der Technik einatmen würde, würde diese Technik gewissermaßen enden oder abgewürgt; man würde den Schwung verlieren und von einem wirkungsvollen Zustand von
jitsu in einem kraftlosen Zustand von kyo wechseln. Die Aufrechterhaltung von Schwung und Atemkontrolle sind daher eng miteinander verknüpft und so ist es beim Ausführen einer Technik, die mehrere Schläge voraussetzt, essentiell, dass man der Versuchung, einzuatmen, widersteht und die Technik in einem Atemzug absolviert.

Ein anderer physiologischer Aspekt beim Ausführen von
kiri-kaeshi in einem Atemzug ist die Voraussetzung, dass es auf einer Höhe ohne auf und ab zu ruckeln durchgeführt wird. Wie ich später beschreiben werde, gibt es eine merkliche Tendenz des Körpers, sich beim Einatmen aufzurichten und sich beim Auszuatmen zu beruhigen. Füge diese atmungsbasierte Tendenz zu dem unvermeidbaren Anheben und Senken der Arme während man schlägt hinzu und der Vorwärtsimpuls der Technik kann leicht unterbrochen werden; und vom Gegner erkannt werden. Deshalb ist es am Besten, kiri-kaeshi in einem Atemzug durchzuführen. Offensichtlich gibt es eine Grenze, wie weit man das durchhalten kann! Wie auch immer, mein eigener Lehrer hob die Wichtigkeit und den Nutzen, sich selbst zu trainieren, so viel wie möglich ohne zu Atmen zu tun, mit einem Wortspiel hervor; Ich wurde gelehrt, dass, wenn ich der Versuchung widerstehen würde, in der Mitte von kiri-kaeshi oder kakari-geiko einzuatmen, auch wenn es hart sein würde, würde ich letztendlich meine zweite Luft bekommen: ein neuer Atem würde in mir geboren werden (ikioi), welcher eine Verdoppelung meiner Vitalität und meines Schwungs (ikioi) ergeben würde.[53]

Die gleiche Art Logik kann in der Lehre Reason Beyond Reason der
Itto-ryu, die sutemi und zanshin betrifft, gesehen werden. Wenn man sich voll und ganz in eine Technik wirft (sutemi), ohne Gedanken, etwas zurückzuhalten (für alle Fälle), behauptet die Itto-ryu, dass ein neues Bewusstsein geboren wird, das einen dazu befähigt, mit allem fertig zu werden, egal was nach der Attacke passiert. Anstatt das Bewusstsein zurückzulassen, wird Bewusstsein zurückbleiben (zanshin). Es ist wesentlich, dass man die japanischen Wörter versteht, die ich benutzt habe: ikioi (Vitalität/Impuls) und zanshin (Bewusstsein/ Selbstbeherrschung) haben beide physiologische und psychologische Aspekte in sich.

Und so sollte man beim selbstvergessenen Schlagen, bei dem man weder Bedenken

noch Atem in Reserve behält, nicht nur eine physikalische Verbesserung im eigenen Kendo erfahren, sondern auch einen psychologischen Wandel. Es gibt jene, die behaupten, dass Atemkontrolle diese grundlegendsten Übungsformen zu etwas erhebt, das Meditation oder Yoga ähnlich ist, bei denen ein Wandel des psychologischen Zustands angestrebt wird.[54] Und solche Kendogiganten wie Takano Sasaburo lehrten, dass ein gewisser konzentrierter Typ eines psychologischen Zustandes wichtig wäre, um kiri-kaeshi ordentlich auszuführen.[55] Ferner gibt es Untersuchungen die behaupten, dass das Benutzen von kiai (welches als Teil der Atemkontrolle der Kendomethodik angesehen werden kann) während kiri-kaeshi erheblich zum psychologischen Zustand der Seele beiträgt, den Takano vorlegte.[56]


In dieser Ausgabe möchte ich die Verbindung zwischen Ausrufen und Atemkontrolle im Kendo betrachten. Obwohl außerhalb Japans üblicherweise als kiai bezeichnet, wird das beim Kendo auftretende Ausrufen mit einer Vielzahl von japanischen Begriffen bezeichnet, die, oft abhängig von der Situation, in der es auftritt, kiai, kakegoe, hassei und koshou
beinhalten.


Obwohl es offensichtlich Verbindungen zwischen Kendo und einigen modernen Sportarten, so wie Gewichtheben, Speer- oder Hammerwurf, gibt, durch Benutzung des Ausrufens Kraft zu erzeugen, scheint es so zu sein, dass die Praktik von bewusstem Ausrufen vor der Technikausführung (
kakegoe) und die Praktik der Benennung des Ziels an dem Punkt der Technikausführung (koshou) eine kennzeichnende Eigenschaft von Kendo ist. Und da kiai ein Bestandteil eines gültigen Schlages ist, ist Ausrufen ein dringend benötigtes Element der Kendotechnik, was von den oben genannten modernen Sportarten nicht gesagt werden kann.

Die Rolle des Ausrufens Um die Verbindung zwischen Ausrufen und Atemkontrolle zu betrachten, müssen wir erst die Rolle des Ausrufens an sich untersuchen. Wenn wir die Schriften von Takano Sasaburo berücksichtigen, können wir sehen, dass durch die Benutzung sowohl physiologische als auch psychologische Effekte erstrebt werden: „Durch Ausrufen erhärtet man seinen Mut und fügt seinen Schlägen Stärke hinzu; man schüchtert seinen Gegner ein und unterdrückt seine Schwertbewegungen. Durch Ausrufen kann man sein Bewusstsein erweitern und den Geist von Körper und Seele verstärken.“
[57]

Der vor kurzem verstorbene Komorizono Masao (Hanshi 9. Dan, Professor an der International Budo Univerity) schreibt in ähnlicher Weise: „Ausrufen und Maximierung von Geist und Technik sind eng verbunden und wenn man mit voller und vereinter Seele, Geist und Technik
[58] schlägt, wird man ganz natürlich ausrufen. In anderen Worten, Ausrufen ist ein Kanal für geistige Energie „Folglich kann man durch Ausrufen seine Seele, Geist und Technik vereinigen und verdoppeln.“[59]

Also können wir sehen dass das Aufrufen im Kendo darauf zielt, physikalischen und psychologischen Wandel hervorzurufen (was gänzlich mit der ganzheitlichen Konzeptualisierung der Kendotechnik übereinstimmt) aber gegenwärtig möchte ich mich auf den Effekt dieses bewussten Ausrufens auf den physikalischen Aspekt der Ausführung von Kendo-Technik beschränken.

Ausrufen und Atemkontrolle Wir sahen, dass Mitsuhashi Shuz besorgt war, dass Anfänger dazu tendieren, sich zu sehr aufs Einatmen zu konzentrieren und so betonte er sehr stark das Ausatmen während der grundlegenden Übungsmuster von
suburi, kiri-kaeshi, kakari-geiko und uchi-komi. Also ist es einfach zu vermuten, dass eines der Ziele beim Schreien von „men / kote / do / tsuki“ beim Schlagen ist, sicherzustellen, dass man beim Schlagen ausatmet. Diesbezüglich gibt Morita Monjuro Aufschluss über die Beziehung zwischen Technikausführung und Ausrufen: „Man muss nicht vom Anfang bis zum Ende des Schlages einatmen oder man wird Stärke im Unterbauch (tanden) verlieren. Es ist wichtig, beim Schlagen auszuatmen und Ausrufen ist ein Weg das zu erreichen.“[60]

Wir sehen also, dass Morita eigentlich Ausrufen als Methode entwirft, um sicherzustellen, dass man bei der Technikausführung nicht einatmet. Die Schriften von Takano Sasaburo (einem der einflussreichsten Gründer des modernen Kendo) scheinen diese Idee zu unterstützen: „Anfänger müssen in der Lage sein, natürlich auszurufen und deswegen sollten sie laut und mit Vitalität ausrufen (beim Schlagen).“[61] Diese Aussage bekommt eine zusätzliche Bedeutung wenn man bedenkt, dass Takanos eigenes klassisches System, die
Ittoryu, kein kiai benutzte (und benutzt) und dass die auf der Itto-ryu basierte Go Gyo no Kata, die Takano zum Lehren entwarf, und welche wiederum die moderne Kendo kata stark beeinflusste, auch kein Ausrufen enthält.

Daher scheint es, dass die Bedingung, auszurufen, besonders auf Anfängerstufe, in das moderne Kendo mit dem Ziel eingeführt wurde, korrekte Atemkontrolle bei der Technikausführung zu lehren.
Kiai aus dem Bauch Kiai während des Schlagens ist nicht bloß eine Frage von so laut oder lange Schreien wie möglich. Was verlangt wird ist ein besonderer Typ des Ausrufens, der den Schlag verstärken wird. Komorizono Masao lehrte das Folgende: „Der Schrei, den man beim Schlagen macht, muss klangvoll, straff, kurz und scharf sein. Also ist es nicht gut, lediglich den Mund weit zu öffnen und den ganzen Atem auszustoßen.“[62]

Wir haben schon gesehen, dass Schlagkraft nicht beim Ausatmen maximiert wird, sondern wenn der Atem für einen Moment angehalten wird und so können wir vermuten, dass die Kendomethode des Ausrufens dieses reflektiert. Es wird oft gesagt, dass dieses Ausrufen aus dem Bauch kommen soll, aber ich glaube, dass es genauer und aufschlussreicher ist stattdessen zu sagen, dass Ausrufen in den Bauch gestopft werden sollte. Enomoto Shoji von der Nanzan Universität erklärt das etwas klarer: „Wenn ein Sänger singt, wird die Flamme einer Kerze, die direkt vor seinem Mund platziert wird, nicht flackern; obwohl sie ausrufen, stoßen sie die Luft nicht stark aus und deswegen ist die Flamme nicht beeinflusst. Das Ausrufen beim Kendo ähnelt diesem; wenn man schreit, sollte man seinen Unterbauch stärken, um die physikalische und geistige Energie zu verstärken.“
[63]

Folglich sollte der Effekt eines kurzen scharfen Ausrufens nicht eine äußerliche Projektion der Stimme sein, sondern eher eine interne Projektion von Energie in den Unterbauch. Das scheint analog zu den kurzen scharfen Ausrufen zu sein, die Gewichtheber benutzen, wenn sie sich anstrengen, um Gewichte zu heben. Gewichtheber benutzen Ausrufen, um die Muskeln ihres gesamten Körpers anzuspannen und folglich den Druck in der Bauchhöhle zu steigern, um einen Moment maximaler Kraft zu erlangen.
[64]

Diese Art der Atemkontrolle durch Ausrufen kann auch im modernen Karate deutlich gesehen werden. Im Karate sollte der ganze Körper bis zu dem Moment, in dem die Faust das Ziel trifft, entspannt sein aber beim Auftreffen werden die Muskeln des gesamten Körpers für einen Moment durch das Benutzen eines kurzen, scharfen
kiai angespannt,

der maximale Kraft erzeugt. Der Umstand, dass der Knoten des obi, oder Gürtels, der unter dem Bauchnabel gebunden wird, benötigt wird, um beim kiai nach vorne zu gehen, illustriert, dass der Fokus dieser Krafterzeugung auf dem Unterbauch liegt. Wir haben gesehen, dass Mitsuhashi Shuzo befürwortet, dass maximale Energie durch das kurze Anhalten des Atems und Anspannung des Unterbauchs erzeugt wird und also sollte man beim Kendo auch vom Zustand der muskulären Entspannung zu einem kommen, in dem man durch Benutzung des Ausrufens in den Unterbauch ausatmet und dann durch kurzes Anhalten des Atems den Unterbauch anspannt und maximale Schlagkraft generiert.

Qualität nicht Quantität Wir haben gesehen, dass Ausrufen im Kendo nicht bloß eine Frage des Volumens ist. Zusätzlich dazu, und sehr ergänzend, ist die gerichtete Qualität des Ausrufens im Kendo seine phonetische Qualität; wie sich der
kiai anhört. Sato Sadao (Hanshi 9. Dan, Professor an der Universität Tamagawa) schrieb: „Wenn wir den Klang von kiai betrachten, in denen, die mit „a“ enden, neigt sich die Kraft zu zerstreuen; wohingegen in jenen, die mit „i“ oder „u“ oder „o“ enden, die Kraft erhalten bleibt.“[65]

Enomoto Shoji schreibt ebenfalls zu diesem Thema: „Wenn man, mit zusammengezogenen Stimmbändern, jeden Vokal in der Reihenfolge a-, i-, u-, e-, o- ausspricht, wird man vielleicht feststellen, dass man bei ihrem Durchlaufen der Fokus der Anspannung allmählich tiefer und tiefer sinkt, in anderen Worten, bei a- ist die Stärke auf den Bereich zwischen den Augen fokussiert und bei o- ist es der Bauch.“
[66] Allerdings wird, wie wir alle wissen, die Phonetik des Ausrufens im Kendo durch die Anforderung bestimmt, das Ziel beim Schlagen zu auszurufen: men!, kote!, do!, tsuki!.


Wenn wir das im Licht von Satos und Enomotos Kommentaren betrachten scheint es, dass besonders die
kiai „kote!“ und vielleicht men!“ auch schwache Ausrufe sind, wo die erzeugte Kraft dazu tendiert, sich zu zerstreuen. Dennoch ist es nötig auch zu betrachten, an welchem Punkt des Ausrufens der Schlagkontakt erfolgt. Wenn wir zum Beispiel das kiaimen!“ betrachten, findet der Kontakt auf dem „me“ oder auf dem „n“ statt? In Ausgabe 4 dieses Magazins habe ich Sato Ukichis Erklärung der Aun-Atmung, angewandt auf einfache Schlagmuster, betrachtet. Wir sahen, dass bei der Aun-Atmung maximale Schlagkraft auf „un“ erzeugt wurde, was ein kurzes Einstellen der Atmung bedingt und folglich eine Vereinigung von Geist, Schwert und Körper (ki ken tai no itchi). Deswegen sollte der Schlagkontakt auf dem „n“ von men!“ stattfinden. Gleichermaßen sollte der Kontakt beim starken Element ko von kote!“ sein und nicht beim relativ schwachen te.

In dieser Ausgabe habe ich die Verbindung zwischen Ausrufen und Atemkontrolle im Kontext der einfachen Schlagaktion im Kendo betrachtet. Oft ein Bereich voller Skeptik (oder vielleicht Verlegenheit) für nicht-japanische Übende, haben wir gesehen, dass die Voraussetzung,
kiai zu machen, viele Ziele hat. Es hat den grundlegenden Effekt zu versichern, dass der Kendoka während der Schlagaktion ausatmet. Zusätzlich helfen die gerichteten und phonetischen Qualitäten des Ausrufens im Kendo zu versichern, dass der Fokus der Energie im Unterbauch ist und daher zu dem Ergebnis eines Schlages beiträgt, indem der ganze Körper zur Krafterzeugung benutzt wird. Und wir haben gesehen, dass die Wahl des richtigen Zeitpunktes beim Ausrufen eine erhebliche Rolle spielt, um sicherzustellen, dass der Schlagkontakt in dem Moment passiert, in dem die Atmung stoppt und somit eine Synchronisation von Atem- und Schlagsteuerung in diesem kritischen Punkt des Kreislaufes der Energieerzeugung erreicht wird.

In der nächsten Ausgabe möchte ich weitergehen zur Betrachtung, was mit der Atemkontrolle passiert, wenn man sie angesichts eines Gegners in
seme-ai in die Praxis umsetzen muss.



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Fußnoten


[1] Sato Ukichu (Kendo Hanshi 9. Dan) in Ei-en naru Kendo (Eternal Kendo) 1975 Seite 212 ff
     (Überstetzung von Steven Harwood)
[2] Im Kendo ist der Fokus der Atmung das „
tanden“, ein Punkt, der sich unter dem Bauchnabel
      im Zentrum des unteren Unterleibes befindet, und der in der orientalischen Medizin für die Quelle
      von Gesundheit, Lebenskraft und
eki-Energie gehalten wird. Wenn Kendo-Lehrer sich auf
      Zwerchfellatmung beziehen, beziehen sie sich meistens auf diese
tanden-Atmung.
[3] Sato Tsuji,
Budo no Shinzui, S. 19 (Übersetzung von Steven Harwood)
[4] Japanese-English Dictionary of Kendo (Alljapanische Kendo-Föderation) S. 98
     (Übersetzung ins Deutsche von Stefan Alpers)
[5] Oya Minoru, Some questions concerning breathing in Kendo S. 19; 20
      (Übersetzung von Steven Harwood
[6] Mitsuhashi Shuzo,
Fudochi (Unmoveable Mind; The teachings of Mitsuhashi Shuzo) S. 370
[7] Sato Tsuji,
Budo no Shinzui S. 95-96 und Inoue Masataka, Seigan no Bunka, S. 229-230
[8] Baba Kinji, Kendo;
Dento no Gijutsu, S. 18
[9] Hier kam Steven Harwood in Übersetzungsschwierigkeiten . Im Japanischen wird das Wort für Rücken oder
     Hüfte „
koshi“ idiomatisch benutzt, um sowohl physikalische und psychologische Zustände zu bezeichnen.
     Also kann „
koshi-tsukuri“ („Stelle Deine Hüfte auf“(?)) sowohl Verbesserung der Körperhaltung als auch die
     Verbesserung des Geistes bedeuten; „
koshi wo ieru“ (wörtlich „ Setze Deinen Rücken ein“) kann bedeuten,
     den Rücken durch das „Einrücke“ der Hüfte zu wölben oder furchtlos und standfest zu sein (das Gegenteil
    
koshi wo nuku“ ; „Die Hüften weglassen“ bedeutetet im allgemeinen, feige zu sein) und „koshi ga kimaru
     (wörtlich „Die Hüften sind bestimmt“) bedeutet, dass die Haltung perfekt ist, allerdings deutet es nicht nur
      physikalische sondern auch psychische Stärke an. Also kann ein erfahrener Lehrer dein Kendo durch
      einen kurzen Blick auf Deine Haltung beurteilen. Also: Steck den
keikogi rein!
[10] Kobori Tetsuro, Okada Torajiro und Okada-shiki Seizahô in Iyashi wo Ikita Hitobito Kindaichi no
       Arutanatibu
(Heiler; ein alternativer Ansatz) S. 60-61 Tanabe Shintaro, Susumi Shinazono und
       Yumiyama Tatsuya edit. (Übersetzung von Steven Harwood)
[11] Siehe auch den Artikel von Inoue Hanshi in der ersten Ausgabe.
[12] Kendo Reiho to Saho (Kendo-Zeremonie und;Etikette) S. 98 (Übersetzung von Steven Harwood)
[13}
Kojien
[14] So wie Ogawa Chutaro (Hanshi 9ter Dan; verstorben) und Omori Sogen. Beide dieser berühmten
       Schwertkämpfer hoben die Rolle der Atemkontrolle im Kendo hervor.
[15] Mokusô de Okonau Kokyuho in Kendo Nippon Monthly November 2001 S. 46-53
[16] Zen-Meditation im Sitzen.
[17] Susokkan
[18] Ken to Zen (Sword and Zen) S. 235 (Übersetzung von Steven Harwood)
[19] Tanita Saiitchi Kendo Shinzui to Shidooho Yoetsu (Die Essenz von Kendo und seine Lehrmethodik) S. 219
[20] Japanese-English Dictionary of Kendo
[21] Ogawa Chutaro Kendo Kowa (Kendo-Vorträge) (Übersetzung von Steven Harwood)
[22] Im Kendo bedeutet der Ausdruck „Atem steigt“ (iki ga agaru) einen Zustand in dem man
        außer Atem gerät oder der Atem abgehackt wird.
[23] Some questions concerning breathing in Kendo S. 22 (Übersetzung von Steven Harwood)
[24] „Kendo Transformed Spezialausgabe von Kendo Nippon, Oktober 1992, S. 24
[25] Nakayama Hiromichi; ein hervorragender Kendo-Lehrer vor dem zweiten Weltkrieg
[26] Kendo Lectures S. 212-215
[27] „Kendo Transformed by Breathing“ „; Spezialausgabe von Kendo Nippon, Oktober 1992, S. 33.
[28] Mitsuhashi Shuzo, Fudô chi (Unmoveable Mind); The teachings of Mitsuhashi Shuzo, S. 368
[29] Sato Tsuji,Budo no Shinzui (The Essence of Budo) S. 112
[30] Eien naru Kendo S.213
[31] Siehe „Zen in der Kunst des Bogenschießens“
[32] Fudochi S. 143-145
[33] Kendo no Rekishi to Tetsugaku S.24-25
[34] Eien naru Kendo S 214
[35] Eien naru Kendo S 214 (Übersetzung von Steven Harwood)
[36] Wenn man einen japanischen Schrein besucht, dürfte man zwei Statuen von hunde- oder löwenähnlichen
       Kreaturen bemerken (koma-inu), die, eine an jeder Seite, am Eingang zum heiligen Hain platziert sind.
       Bei näherem Hinsehen wird man sehen, dass eine ihren Mund geöffnet hat (A oder den Anfang bedeutend)
       und die andere ihren Mund geschlossen hat (Ende oder Abschluss bedeutend). Deswegen bedeuten sie
       zusammen Anfang und Ende; Gesamtheit.
[37] .Noguchi Michizo, Genshi Seimeitai to shite no Ningen S. 110; 111. Diese Konzeptualisierung der Atmung
        ist in traditioneller japanischer Bewegungskultur weit verbreitet und ist in sich ziemlich verschieden von der
        in westlichen Kulturen gefundenen, in der Einatmen oft mehr als Ausatmen betont wird.
[38] In
Eien naru Kendo benutzt Sato mehr den Begriff iki wo tsumeru (wörtlich: den Atem stopfen) als das
       gebräuchlichere
iki wo tomeru (den Atem stoppen). Dieser Begriff bedeutet generell, den Atem anzuhalten,
       wird aber normalerweise in einem bestimmten Kontext benutzt; und mit negativen Assoziationen. In
Genshi
      
Seimeitai to shite no Ningen diskutiert der bekannte Gelehrte der traditionellen japanischen
        Bewegungskultur Noguchi Michizo die Bedeutung von
iki wo tomeru etwas genauer. Der Begriff
       wird generell dazu benutzt, den Zustand zu beschreiben, in dem man maximale Kraft erreichen möchte
       , zum Beispiel beim Gewichtheben, der Kehldeckel bewegt sich im Reflex um das obere Ende der
         Luftröhre zu blockieren und das Ausatmen von Atemgasen zu verhindern. Gekoppelt mit der
        Zusammenziehung des Diaphragma und anderer abdominaler Muskeln führt dies zu einem erhöhten
         .internen abdominalen Druck, der zu zusätzlicher Kraftgenerierung führt

        Aber da dieses hauptsächlich eine anstrengende Aktion ist gibt es gravierende Nachteile bei dieser
        Atemmethode (eigentlich eine Methode des Nicht-Atmens), wenn man sie länger als einen kurzen Moment
         einsetzt; das Gesicht wird rot; die Venen treten hervor und unter extremen Umständen kann man
         ohnmächtig werden. Noch wichtiger im Kendo- Kontext ist, dass es sehr schwierig ist, sich schnell und
         gewandt zu bewegen, wenn man den Atem auf diese Weise anhält. Folglich erscheint es seltsam, dass
         Sato Ukichi iki wo tsumeru als Bestandteil der Technikausführung im Kendo empfiehlt. Noguchi hat
         jedoch eine andere Weise aufgezeigt, in der der Begriff im Kontext der traditionellen japanischen
        
Bewegungskultur (geido) benutzt wird und der etwas völlig anderes bezeichnet als den angespannten
         , unbeweglichen Zustand, den muskelbepackte Gewichtheber erfahren. In geido wird iki wo tsumeru
         dazu benutz, einen Zustand zu beschreiben, in dem das Diaphragma erhöhten abdominalen Druck führt,
         ohne die Notwendigkeit einer Anstrengung. Das die ganze Zeit leicht angespannt wird, was zu einem
          scheint der Praxis zu entsprechen, den Unterbauch im Kendo anzuspannen und stellt einen
          idealen Kompromiss dar zwischen der Notwendigkeit der Kraftgenerierung für Technikausführung
          und der Notwendigkeit, fähig zu sein, sich während längerer freier Übung oder kakari-geiko
          frei bewegen zu können.
[39] Seigan no Bunka, S. 230
[40] Kendo ni okeru Kokyu no sho mondai, S. 21
[41] Fudochin, S. 144
[42] Fudochin, S. 145-146
[43] Kendo
Jiten S.30
[44] Japanese-English Dictionary of Kendo
[45] Ein Zweig der
Itto ryu ; ein klassisches Schwertsystem, das in der Entstehung des modernen
       Kendo sehr einflussreich war.
[46] Uchikomi no Jutoku im Japanese-English Dictionary of Kendo.
[47] Mitsuhashi Shuzo,
Fudôchi (Unmoveable Mind; The teachings of Mitsuhashi Shuzo), S. 367 - 368
[48] Ogawa Chûtarô,
Kendô Kôwa (Kendo Lectures) (Übersetzung von Steven Harwood) Es sollte angemerkt
        werden, dass der kürzlich verstorbene Ogawa Hanshi (9.
Dan) nicht nur für sein Kendo sehr berühmt war,
        welches ein Produkt aus der Lehre von legendären Lehrern der Vorkriegszeit und lebenslangem eifrigem
        Üben war, sondern auch wegen seiner tiefen Verbundenheit mit Zen Buddhismus und
Jiki Shinkage ryu,
        einer Form von klassischer Schwertkunst, die Atemkontrolle hervorhebt. Deswegen ist es kaum
        überraschend, dass er Atemkontrolle im modernen Kendo besonders hervorhebt.

[49] Baba Kinji, Kendo; Dento no Gijutsu (Übersetzung von Steven Harwood), S. 70.
[50] Sumi Masatake,
Nendai Betsu Keiki Ho; Michi no Kaori
       (Übersetzung von Steven Harwood), S. 86-87.
[51] Baba Kinji, Kendo;
Dento no Gijutsu (Übersetzung von Steven Harwood) ,S. 70.
[52] In der letzten Ausgabe betrachteten wir Mitsuhashis Konzeptualisierung des einfachen Schlagrhythmus als
       einen, in dem der Übergang vom Einatmen beim Ausholen zum Ausatmen beim Schlag vom Gegner nicht
       wahrgenommen wurde. Für Mitsuhashi gibt es keinen Unterschied zwischen diesem „Schalten“, ob
       ausgedrückt in Begriffen von Atmung oder Armbewegungen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu
       erwähnen, dass die Bedeutung des Begriffes
kiri-kaeshi weiterhin eine Quelle für Debatten innerhalb des
       japanischen Kendo-Establishment ist. Obwohl es üblicherweise dafür gehalten wird, „wiederholtes Schlagen“
       zu bedeuten, kann es auch einfach „wechseln von einer zu anderen Seite“ bedeuten. Wenn wir
kiri-kaeshi
       auf letztere Weise betrachten, dann wird sein hauptsächlicher Zweck als Trainingsmethode jener, den
       Übergang von einem Schlag zum anderen, von links nach rechts, so sanft und unauffindbar wie möglich zu
       machen. Und Babas Lehre würde vorschlagen, dass der beste Weg, dieses im dynamischeren Rahmen von
      
kiri-kaeshi zu erreichen, ist, sich vom Atmungsübergang komplett zu befreien; in dem man die ganze Übung
       in einem Atemzug ausführt.
[53]
Sanpokai Dojo, Toyko, Eto sensei.
[53] Mitsuhashi Shuzo
, Fudô chi (Unmoveable Mind); The teachings of Mitsuhashi Shuzo, S. 368
[55] Sato
Tsuji,Budo no Shinzui (The Essence of Budo) S. 112
[56]
Eien naru
Kendo S.213
[57] Kendo, S. 122 (Übersetzung von Steven Harwood).
[58]
Shin Ki Ryoku no Itchi
[59]
Rei Dan Ji Chi ; A Record of Komorisono Masao’s Kendo Teachings, Oya Minoru, S. 84,
       (Übersetzung von Steven Harwood).
[60]
Koshi no Tanden de okonau Kendo, S. 36 (Übersetzung von Steven Harwood).
[61] Kendo, S. 123 (Übersetzung von Steven Harwood).
[62] Rei Dan Ji Chi ; A Record of Komorisono Masao´s Kendo Teachings, Oya Minoru, S. 86
      (Übersetzung von Steven Harwood).
[63
] Ki wo takameru dake de wa nai kakegoe ga ataeru igai na koka (Not just an increase in
      
ki the unexpected effects of kiai) in Kendo Monthly magazine, März 2000, S. 43
      (Übersetzung von Steven Harwood).
[64] Siehe Endnote 11 in Kendo World Ausgabe 4, S. 52.
[65]
Watahashi no Kendo Shugyo, S. 77 (Übersetzung von Steven Harwood).
[66] Ki wo takameru dake de wa nai kakegoe ga ataeru igai na koka (Not just an increase in ki; the
       unexpected effects of
kiai) in Kendo Monthly magazine, März 2000, S. 43
       (Übersetzung von Steven Harwood).