Budosports - Erwin von Baelz und Jijoro Kano, 
                                        
HINWEIS: die auf den Folgeseiten gezeigten Videoclips
                            dienen nur zum Anschauungsunterricht   - NICHT ZUR NACHAHMUNG ! 
                                 Ohne fachkundige Anleitung drohen schwerste Verletzungen !

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Original Auszug aus dem Tagebuch von Erwin von Baelz:


Erwin von Baelz 1878



Erwin von Baelz 1912



Erwin von Baelz 1913



Jijoro Kano




Im Anfang der modernen Art, in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, macht, Japan eine sonderbare Periode der Verachtung alles Einheimischen und Eigenen durch. Die eigene Geschichte, die eigene Religion, die eigene Kunst erschienen nicht der Rede wert, ja man schämte sich ihrer. Alle körperlichen Übungen, Schwertfechten, Jiu-Jitsu worden in den Bann getan. Die damals junge Generation und auch ihre Lehrer hatten für nichts Sinn als ausschließlich für Lernen, Lernen nämlich der europäischen Wissenschaft. Die Studenten an der Kaiserlichen Universität waren schlecht genährte überanstrengte Jungen, die oft buchstäblich ganze Nächte durcharbeiteten und sich keinerlei körperliche Ruh, oder Übung gönnten, so dass sie oft vor den Prüfungen zusammenbrachen oder gar Todesfälle eintraten.

Ich versuchte damals alles um darin Wandel zu schaffen. Aber meine Bemühungen bei den Behörden um Errichtung einer Turnhalle und eines Turnplatzes waren vergeblich. Da ich in dem altjapanische, Schwertfechten, dem Ken-Jitsu, eine sehr gute gymnastische Methode erkannte, so empfahl ich dieses, aber es wurde als roh und da man gelegentlich einen schmerzhaften Hieb auf dem Kopf bekam, als gefährlich zurückgewiesen, da man dadurch verdummen könne. Erst als ich, um diese Vorurteile zu entwaffnen, selbst bei dem berühmtesten Fechtlehrer Sakakibara selbst Unterricht nahm und als dies in den Zeitungen bekannt wurde, erwachte das Interesse für das alte Fechten wieder, Denn wen, in Fremder und noch dazu der Professor der Medizin an des damals einzigen Universität des Landes in Jünger dieser Kunst wurde, so konnte sie in weder den Augen des Westens barbarisch noch gesundheitsgefährlich sein.

Um diese Zeit war es auch, dass ich zuerst die Bekanntschaft mit Jiu-Jitsu machte. Es war bei einem Besuch in der Provinzhauptstadt Tshiba. Als beim Gouverneur die Rede auf die modern, Erziehung kam, klagte ich über den Mangel an Interesse für jeden Sport unter der schwächlichen Jugend der höheren Stände. Der Gouverneur war ganz meiner Ansicht, und er bedauert, namentlich, dass eine ausgezeichnete, früher in Japan vielgeübte Kunst, nämlich Jiu-Jitsu, so ganz außer Gebrauch gekommen sei. Es werde eigentlich nur noch in seiner Stadt gepflegt, wo ein alter Lehrer, Totsuka, seine Polizisten darin unterrichtete die ganz Erstaunliches leisteten und bei Verhaftung von Verbrechern den größten Vorteil davon hätte,. Er veranstaltete am nächsten Tag eine große Vorstellung wobei der über siebzigjährige Totsuka zuerst die Prinzipien von Jiu-Jitsu auseinander setzte und die einzelnen Griffe vermachte. Ich sah Dutzende von Wettkämpfen und die Leistungen waren so erstaunlich und es wurden scheinbar so halsbrecherische Griffe und Bewegungen und Würfe ohne den geringsten Schaden für die Kämpfenden ausgeführt dass ich mir sagte, hier sei eine ideale Form der Gymnastik für meine Studenten


Aber wieder hatte ich in Tokyo kein Glück. Der Direktor der Medizinschule und die anderen Herren an der Universität und im
Unterrichtsministerium wollten von meinem Vorschlag, die Jiu-Jitsu-Leute von Tshiba zu einer Vorstellung nach Tokyo zu rufen nichts wissen. Die Studenten, meinten sie, seien zur geistigen Arbeit da. Eine Kunst, die in früherer Zeit, wo man sich gegen Bewaffnete zu schützen hatte, berechtigt war, habe jetzt keinen Zweck mehr. Auch mein, Bemerkung, dass es sich ja nur um die gymnastische Seite der Sache handle fruchtete nicht,. Da wollte ich gleich wie beim Fechten auch das Jiu - Jitsu selbst vordemonstrieren. Aber leider fand sich kein Lehrer zum Unterricht bereit, denn man fürchtete ich könnte mich mit meinen dreißig Jahren ernstlich verletzen, da man schon im Knabenalter mit Jiu-Jitsu beginnen müsse.

Aber inzwischen hatten doch auch einige aktive und frühere Studenten der Universität Jiu-Jitsu aufgenommen, und namentlich der junge Gelehrte Jijoro Kano, der das Jiu-Jitsu weiterentwickelt hat und dem vor allem seine Popularisierung zu verdanken ist, wurde sein eifrigster Apostel. Als auch er und seine Kameraden baten, daß die Universität die Jiu-Jitsu Kämpfer aus Tshiba kommen lassen möge, wurde endlich willfahren und es fand ein großer Wettkampf in der Aula der Universität statt. Dabei zeigte sich freilich auch, wie viel Übung die Erlernung der Kunst erfordert,. Denn von all den jungen Männern in Tokyo war keiner, selbst Jijoro Kano ( Bild links ) nicht, der als Gegner für irgendeinen der Polizeioffiziere in Frage kam.

Tags darauf kam der alte Totsuka mit seinem besten Schüler Sato zu mir, um mir für meine Bemühungen zu danken. Ich sehe ihn noch heute vor mir, den ehrwürdiger, Greis, wie er mit Tränen der Freude und Rührung in den Augen vor mir stand und mich um mein Bild bat, das er bis ans Ende seines Lebens verehren werde. Es sei zwar beschämend für ihn als Japaner, dass in Ausländer seinen Landsleuten habe sagen müssen, was sie an Jiu-Jitsu haben, aber er wisse doch jetzt dass seine geliebte Kunst wieder zu Ehren kommen werde, und so könne er in Frieden in die Grube steigen.